Alles Käse, oder was? Das ist typisch Holland!

Holzschuhe, Käse, nostalgische Fahrräder und viel Wasser – typisch holländisch … Oder etwa nicht? Auch für die Niederlande gilt: Einige Klischees haben einen wahren Kern, während andere nur fantasievolle Übertreibungen sind. Doch wie sind unsere Nachbarn aus Holland denn nun wirklich? Wir geben euch hier einen kleinen Guide an die Hand, der euch hilft zu verstehen, wie Land und Leute ticken! Veel plezier (Viel Spaß) …



Typisch Holland: Windmühle und Tulpenfeld

Typisch holländisch: Die ewige Namensfrage

Bevor es richtig losgeht, wird es Zeit, eine fundamentale Frage zu klären: Heißt es nun „Holland“ oder „die Niederlande“? In Deutschland hat es sich mehr oder weniger eingebürgert, „Holland“ zu sagen und „Niederlande“ zu meinen. Beide Begrifflichkeiten würden also in unserem Sprachgebrauch ein und dasselbe Land beschreiben…

Das ist streng genommen nicht richtig: Die Provinzen Nord- und Südholland an der Küste sind dank der Großstädte Amsterdam, Den Haag und Rotterdam die bevölkerungsreichsten Provinzen des Landes, weshalb sich im deutschsprachigen Raum durchgesetzt hat, „Holland“ als Synonym für die Niederlande zu benutzen.

Kurioserweise existiert das „Namensthema“ in den Niederlanden selbst. Dort bezeichnen sich auch viele Landesbewohner außerhalb der besagten Provinzen als Holländer, die niederländische Tourismus-Branche nutzt den Namen „Holland“ aktiv und bei internationalen Sportveranstaltungen feuern die Fans ihre Athleten mit dem typisch holländischen Schlachtruf „Hup Holland Hup“ an.

Ihr seht schon: Holland oder Niederlande – stimmt beides irgendwie!

Typisch Holland: Alles nur Klischee?

Doch welche Klischees gibt es nun über Holland? Ich habe mir die geläufigsten einmal angesehen:

Die Holländer: Volk der Entspannten?

Vor allem im Strandurlaub am Mittelmeer trifft man Holländer in Scharen an. Bestimmt ist euch bei dieser Gelegenheit auch schon aufgefallen, wie entspannt dieses Volk ist. Egal, ob der Hotelkellner ihnen das halbe Tablett in den Schoß kippt, der Koffer am Flughafen verloren geht oder ein deutscher Urlauber die letzte Liege am Pool weggeschnappt hat – die Holländer strahlen eine unverwüstliche Grundpositivität aus und haben stets ein Lächeln auf den Lippen.

Hierzulande behaupten Spötter ja gerne, das käme von einer in Holland legalen Substanz, die in einschlägigen Coffeeshops verkauft wird (dazu später mehr), doch das ist bei den meisten Holländern (wenn überhaupt) nur die halbe Wahrheit.

Fest steht, dass diese unerschütterliche Entspanntheit typisch für Holland ist. Diese kommt vor allem aus dem Wissen heraus, einiges richtig zu machen: Trotz seiner geringen Größe (die zudem Rohstoffknappheit bedingt) verfügt das Land über eine effiziente, wettbewerbsfähige Wirtschaft, eine ebenso liberale wie innovative Gesellschaft und eines der besten Gesundheitssysteme der Welt – das macht zufrieden.

Hinzu kommen malerische Wasserlandschaften, die unberührten Sanddünen der Küsten und grüne Wiesen, die bei Ausflügen Erholung fast schon garantieren. Es ist also kaum verwunderlich, dass Holland in der Rangliste der „Glücklichsten Länder der Welt“ stets auf den vorderen Plätzen zu finden ist.

Insel Texel in den Niederlanden

Am Klischee vom „entspannten Holländer“ ist also einiges dran. Vollständig richtig ist es aber nicht! Alles andere als entspannt und relaxt geht es in Hollands Schulen zu. Das Bildungssystem gilt zwar als modern, aber ebenso hart: Ganztagsunterricht und Unmengen Hausaufgaben sind an der Tagesordnung.

Und auch im alltäglichen Arbeitsleben bekommt man nichts geschenkt: Leistungsdruck, volle Terminkalender und Hektik sind für Holländer an der Tagesordnung.

Holland: Ein einzigartiges Landschaftsidyll

Seit jeher hat Holland mit dem Problem zu kämpfen, dass der allergrößte Teil der flachen Landesfläche unter dem Meeresspiegel liegt. Ein Umstand, der das Bild des Landes prägt: An den (nicht selten rauen und windumtosten) Küsten entdeckt ihr unzählige Deiche. Diese Schutzbauwerke sehen aber in den seltensten Fällen wie Fremdkörper aus, sondern sind perfekt in die Landschaft integriert – auf vielen könnt ihr sogar wandern, euch dabei den Wind um die Nase wehen lassen und den Blick auf die Nordsee genießen.

Holland: Die 9 schönsten Orte am Meer

Auch im Landesinneren prägt Wasser das Bild Hollands: Zahlreiche Wasser-, Seen- und Kanallandschaften sorgen für ein weltweit einzigartiges Landschaftsbild.

Wenn ihr euch auf Erkundungstour durch das ländlich Holland begebt, werdet ihr auch die traditionellen Windmühlen entdecken, vor denen (je nach Jahreszeit) die Tulpen in allen Farben blühen. Wenn ihr euch in dieser bezaubernden Szenerie wiederfindet, werdet ihr merken, dass an manchen Holland-Klischees eben doch etwas dran ist – einfach magisch!

Ein Fahrrad und ein Tulpenfeld: die typisch holländische Landschaft

Was hat es mit den Holzschuhen auf sich?

Wenn man US-Amerikaner bittet, den „typischen Deutschen“ zu beschreiben, bekommt man nicht selten „Die tragen alle Lederhosen, oder?“ als Antwort. Bei der Frage nach dem „typischen Holländer“ muss dann oft ein weiteres klischeehaftes Kleidungsstück herhalten, nämlich die Holzschuhe.

Natürlich tragen weder alle Deutschen Lederhose, noch geht man in Holland in Holzschuhen ins Büro. Dennoch sind die „Klompen“, wie die Holzschuhe in der Landessprache heißen, ein typisches Symbol für Holland.

Typisch für Holland sind die Holzschuhe namens "Klompen"

Für diese holländische „Schuhpassion“ muss man einen Blick in die Geschichtsbücher werfen. Als Holland gegründet wurde, war man gezwungen, immer größere Teile des Meeres trockenzulegen, um Bauland zu gewinnen. Nachdem diese beschwerliche Arbeit mit Hilfe von Deichen und Kanälen geschafft wurde, blieb der Boden allerdings noch sehr lange nass – und sehr kalt! Da wärmende Pelz- oder Lederstiefel damals nur reichen Kaufleuten vorenthalten waren, musste sich die „arbeitende“ Bevölkerung mit den „Klompen“, helfen, die ebenso schützend wie wärmend waren.

Und auch wenn das Wasser bei einer der unzähligen Fluten und Überschwemmungen, die Holland immer wieder heimsuchten, zurückkam, hatte der hölzerne Schuh einen entscheidenden Vorteil: Wegen seiner Beschaffenheit konnte der Holzschuh im Wasser nicht untergehen, sodass er schnell wieder gefunden wurde, wenn sein Besitzer ihn verlor.

Heute gilt der „Klomp“ als eines der bekanntesten Touristensouvenirs und wird gerade in ländlichen Gegenden noch zu traditionellen Festen getragen.

Typisch Holland: Die Käsenation

Unseren Nachbarn wird eine ausgeprägte Liebe zum Käse nachgesagt, und tatsächlich hat das Milcherzeugnis in Holland einen ähnlichen Stellenwert wie in Italien oder Frankreich.

Käse (in Holland „kaas“ genannt) wird üblicherweise mit Brot oder pur verzehrt. Das schmeckt nicht nur den Holländern selbst: Bereits seit dem Mittelalter gilt der Käse als eines der wichtigsten Exportgüter des Landes, wobei Deutschland einer der wichtigsten Abnehmer ist.

Zu den bekanntesten Käsesorten (die in den Reifegraden „jong“, „belegen“ und „oud“ eingeteilt werden) zählen Gouda, Edamer, Leerdammer und Maasdamer, wobei stets der Ursprungsort der Namensgeber des Käses war.

Käsemarkt in Alkmar

Wenn ihr die holländische Kulinarik allerdings nur auf Käse beschränkt, macht ihr einen Fehler: Schmankerl wie Boerenkoolstamppot mit Rookworst (gestampfter Kohl mit Räucherwurst), Panharing (gebratener Hering), Speckeintopf oder Pfannkuchen solltet ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen, wenn ihr Holland einen Besuch abstattet.

Elftal, Eredivisie, Superstars: Holland und der Fußball

Es ist stets aufs Neue bewundernswert, dass das mit 17 Millionen Einwohnern eher „kleine“ Holland in schöner Regelmäßigkeit Fußballer mit dem Prädikat „Weltklasse“ hervorbringt: Johan Cruyff, Marco van Basten, Dennis Bergkamp, Edwin van der Sar oder Arjen Robben – um nur einige zu nennen. Das ist umso erstaunlicher, da die heimische Liga „Eredivisie“ im internationalen Vergleich eher zweitklassig dasteht.

Ein Umstand, der keinerlei Rolle spielt, wenn die beide bekanntesten (und international erfolgreichsten) Vereine aufeinandertreffen. Sobald Ajax Amsterdam gegen Feyenoord Rotterdam spielt, legen die Fans ihre holländische Gelassenheit ab, wobei nicht selten der Gegner mit üblen und geschmacklosen Schmähgesängen bedacht wird. So besingen Ajax-Fans in der Melodie des Schlagers „Tulpen aus Amsterdam“ die Zerstörung Rotterdams im 2. Weltkrieg durch die deutsche Luftwaffe mit „Bomben auf Rotterdam“. Würdet ihr von den netten Holländern gar nicht denken, oder?

Wenn die „Elftal“ (so wird die holländische Nationalmannschaft in der Heimat genannt) bei Welt- oder Europameisterschaften spielt, zeigt sich die Nation in puncto Fußball allerdings geeint.

Obwohl Holland in seiner Historie erst einen großen Titel erringen konnte (1988 wurde man Europameister) und während der letzten Turniere einige Male zusehen musste, gilt das Land als eine der größten Fußballnationen der Welt.

Kleiner Junge ist großer Fußballfan in den Niederlanden

Bei großen Turnieren finden in ganz Holland Fanfeste statt und die Holländer schlüpfen in die orangefarbenen Trikots der Nationalmannschaft oder in witzige Kostüme in Landesfarben – Fußballfolklore, die typisch holländisch ist! Apropos orange …

„Oranje“, so weit das Auge reicht: Was hat Holland mit Orange zu tun?

Wenn ihr euch die Flagge der Niederlande anschaut, werdet ihr merken, dass da keine Orange enthalten ist. Warum also ist die Farbe derart typisch holländisch? Der Grund ist in der Geschichte zu suchen: Einst führte das Königshaus Oranien-Nassau (welches wiederum aus der Grafschaft Orange stammte) die Niederlande in die Unabhängigkeit von Spanien. Doch auch eine weitere wichtige Epoche des Landes steht ganz im Zeichen von Orange …

Nachdem sich Holland unter der Führung von Wilhelm von Oranien im bereits erwähnten Unabhängigkeitskrieg (der auch Züge eines Glaubenskrieges trug, da sich spanientreue Katholiken und Calvinisten erbittert gegenüberstanden) die Freiheit erkämpfte, brach mit der Staatsgründung eine florierende Zeit an – das sogenannte „Goldene Zeitalter“.

In jenen Tagen entwickelte sich das aus sieben vereinten Provinzen bestehende Holland zur führenden Handels- und Wirtschaftsmacht. Rund um den Erdball errichteten die Holländer Außen- und Handelsposten, die Flotte war stark und mächtig und in der Heimat wurden Städte zu wehrhaften Festungen ausgebaut.

In diese Zeit fiel auch die Gründung von Neu Amsterdam, das später in New York umbenannt wurde. Hättet ihr gewusst, dass der „Big Apple“ holländischen Ursprungs ist?

Mit der weltweiten Expansion des kleinen Staates erlebte auch die Kultur eine wahre Blütezeit, wovon die Werke von Malern wie Rembrandt oder Vermeer noch heute Zeugen sind.

Ihr seht schon, damals lief es richtig gut für unsere Nachbarn … Die Flagge während des „Goldenen Zeitalters“ war übrigens Orange-Weiß-Blau. Da die Holländer typischerweise heute noch verklärt auf diese Epoche ihres Landes zurückblicken, ist die Farbe Orange direkt damit verbunden und erklärt ihren heutigen Status als Landesfarbe.

Die Farbe Orange findet man überall in den Niederlanden wie hier im Keukenhof

Da wir gerade beim „neuen“ Amsterdam waren, wird es Zeit, sich dem Original zu widmen …

Was ist typisch Amsterdam?

Mit fast 900.000 Einwohnern ist Amsterdam nicht nur die größte Stadt der Niederlande und deren Hauptstadt, sondern auch eine der bekanntesten Städte Europas. Das ist wenig verwunderlich, schließlich gleicht die Stadt dank des Grachtengürtels einem riesigen Freilichtmuseum.

Das imposante Kanalsystem durchzieht das Zentrum Amsterdam, wobei es entlang des Wassers immer etwas zu entdecken gibt: prachtvolle Kirchen, historische Gebäude oder malerische Brücken, auf denen die typischen Holland-Fahrräder stehen – Fotomotive findet ihr in Amsterdam zuhauf!

Gracht mit Fahrrad in Amsterdam

Hinzu kommt ein großes kulturelles Angebot, welches unter anderem die weltberühmten Museen Rijksmuseum und das Anne-Frank-Haus beinhaltet.

Kurioserweise ist eine weitere Sehenswürdigkeit der Stadt genau das Gegenteil einer Kulturveranstaltung. Das von Pubs, Kneipen, Sportsbars gesäumte Rotlichtviertel „De Wallen“ ist einer DER Anziehungspunkte der Stadt. Ob das am verruchten Flair der rot beleuchteten Brücken oder an den leicht bekleideten Damen, die hinter Schaufenstern ihre Liebesdienste anbieten, liegt? Oder vielleicht doch an den Coffeeshops, von denen es gerade in De Wallen so einige gibt …

Der liberale Umgang mit Marihuana ist typisch für ganz Holland. Obwohl die Droge auch in den Niederlanden offiziell verboten ist, wird der regulierte Verkauf von staatlicher Seite geduldet. Drogentouristen wurden in der Vergangenheit jedoch zusehends als Problem gesehen. Ein Gesetzesentwurf aus dem Jahr 2011, der vorsah, dass Auswärtigen der Erwerb der Droge in Coffeeshops zu verbieten ist, scheiterte nicht zuletzt am massiven Widerstand der Stadtpolitiker Amsterdams.

Und so weht auch heute noch ein süßlicher Geruch durch die Gassen und Grachten der Stadt, der von den Touristen aus aller Welt verursacht wird, die Amsterdam gaaaaanz entspannt erleben wollen … Weltoffen, liberal und rebellisch – typisch Amsterdam!

Welche Städte sollte man in den Niederlanden besuchen?

Fazit: Alles wahr – nur das Ausmaß nicht!

Ihr seht, dass an vielen Holland-Klischees etwas dran ist. Dennoch scheint Holland in dieser Hinsicht des Öfteren das Ziel von Übertreibungen und Überzeichnungen zu sein: Kein Holländer sitzt von früh bis spät zur Entspannung in einem Amsterdamer Coffeeshop und stiefelt anschließend in orangenen Holzschuhen über Deiche nach Hause, wo dann schon eine große Käseplatte wartet.

Obwohl all diese Dinge typisch holländisch sind, reichen sie bei Weitem nicht aus, um Land und Leute zu verallgemeinern. Wäre ja auch langweilig oder? Am besten, ihr bereist unser wunderschönes und facettenreiches Nachbarland einfach mal selbst und macht euch ein eigenes Bild von den bekannten Holland-Klischees. Die passenden Angebote für die Niederlande haben wir hier für euch. Ihr werdet es bestimmt nicht bereuen.

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