Internationaler Trinkgeld-Knigge: Wo ist Trinkgeld Pflicht – und wo nicht?

Trinkgeld-Gepflogenheiten in Europa – und Ratgeber dazu – sind so vielfältig wie der Kontinent selbst. Genauso verhält es sich auch im außereuropäischen Vergleich. Deshalb haben wir weltweit bei Ämtern und Behörden nachgefragt, wie viel denn nun wirklich in Restaurants, Taxis und Hotels von uns erwartet wird oder eben nicht. Das Ergebnis: Werft die Faustregeln über Bord! Alle Daten findet ihr in unserer Übersichtskarte.

Mann gibt Trinkgeld in einem Café

Wie viel ist zu viel? Wie viel zu wenig? Spätestens, wenn man im Urlaub mit dem Taxi fährt, ins Hotel eincheckt oder sein erstes Abendessen im Restaurant einnimmt, stellt sich die Frage: Wie viel Trinkgeld ist eigentlich angemessen? Man möchte ja niemandem auf die Füße treten. Erst Recht, wenn auf der Rechnung bereits eine Service Charge, also eine Gebühr für die Bedienung, enthalten ist. Muss man dann überhaupt noch etwas dazugeben? Irgendwie möchte man sich für zuvorkommenden Service und ein freundliches Gesicht bedanken. Doch auch im Taxi oder im Hotel variiert weltweit der „gute Ton“, wie viel Extra-Geld angemessen ist. Dabei stimmt die Faustregel „Je weiter im Süden, desto mehr Trinkgeld“ nicht ganz. Denn auch im Norden Europas sind kleinere Beträge als Zeichen der Zufriedenheit durchaus gern gesehen – und sobald man sich auf einem anderen Kontinent befindet, gelten ohnehin wieder ganz andere Gepflogenheiten.

Trinkgeldindex für Europa

Da man bei der obligatorischen Recherche sogar bei europäischen Urlaubszielen unterschiedliche Angaben zu Trinkgeld-Gewohnheiten findet, haben wir uns kurzerhand bei den offiziellen Tourismusstellen umgehört – und alle Daten für Restaurants, Taxis und Hotels in einer Karte für euch zusammengetragen:

► Alle Trinkgeld-Daten in der Übersicht zum Download findet ihr hier

Hier gibt’s weniger auf die Hand – und hier mehr 

In Europa bekommen die Mitarbeiter in Restaurants oder Hotels und Taxifahrer meist ein faires Gehalt. Doch über ein paar Münzen extra freut sich hier jeder, selbst wenn eine Service Charge erhoben wird.

In Island, Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark, Kasachstan, Slowenien, Kroatien, Estland, Luxemburg, der Schweiz und den Niederlanden sind Trinkgelder in Restaurants eher unüblich – doch ein bisschen auf die Rechnung draufzuschlagen, wird nicht als unhöflich empfunden. Besonders in Finnland kann man ruhig bis zu 15 Prozent extra geben.

In Liechtenstein muss man, was Restaurantbesuche und Taxifahrten angeht, als Reisender nicht tief in die Tasche greifen: Drei bis fünf Prozent der Rechnungssumme sind hier angemessen.

Am weitesten verbreitet sind in Europa fünf bis zehn Prozent extra auf die Rechnungssumme im Restaurant und Taxi sowie ein kleiner Obolus für den Gepäck- und Zimmerservice im Hotel. Nach dieser Regel fahrt ihr in Albanien, Portugal, Spanien, Belgien, Lettland, Litauen, Rumänien, Italien, Deutschland, der Slowakei, Malta, Monaco, Frankreich, Bulgarien und im Vereinigten Königreich auf jeden Fall richtig.

In Irland, Polen, Griechenland, Serbien und im Kosovo liegt ihr mit 10 Prozent immer goldrichtig. Etwas drüber mit zehn bis 15 Prozent liegen Tschechien, Bulgarien und das Vereinigte Königreich. Besonders großzügig wird guter Service vom Gast übrigens in Ungarn (zehn bis 20 Prozent) und der Türkei (15 Prozent) honoriert.

Internationale Trinkgeld-Gewohnheiten

Doch wie sieht es eigentlich außerhalb Europas aus? Wie sich bei unseren Recherchen herausgestellt hat, variieren die Erwartungen auch über die Kontinente hinweg.

Hier geht’s nicht ohne Trinkgeld – und hier steigt ihr damit ins Fettnäpfchen

Im weltweiten Vergleich hat sich gezeigt: Europas Trinkgeld-Gewohnheiten ähneln denen im Rest der Welt. So sind in Australien je nach Lokalität zehn Prozent üblich, in den Vereinigten Arabischen Emiraten schlägt man bei fehlender Service Charge 10 bis 15 Prozent auf die Rechnung drauf. In Kanada ist man mit 15 Prozent gut beraten.

► Urlaub in Dubai? Die größten Mythen hier im Fakten-Check!

Umgerechnet „günstiger“ ist es da schon in Thailand: Mit mindestens 10 THB kann man hier guten Service honorieren – umgerechnet nicht einmal 30 Cent. Darunter sollte das Trinkgeld aber nicht liegen, das wird als beleidigend aufgefasst. Ähnlich ist es in Marokko geregelt. Die Höhe des Extra-Geldes richtet sich aber danach, ob es sich um ein gehobenes Restaurant handelt oder eben nicht. Entsprechend gibt man als zufriedener Gast im ersten Fall 10 bis 15 MAD (umgerechnet etwa 90 Cent bis 1,30 Euro), ansonsten 5 MAD (knapp 45 Cent). In Kuba hingegen ist man als Gast in Restaurants, Taxis und Hotels völlig frei – Trinkgeld wird hier gegeben und gern gesehen. Doch wie viel das jeweils ist, entscheidet man selbst.

Dennoch gibt es einige extreme Ausreißer. Wie beispielsweise die USA: Hier ist Trinkgeld nicht nur üblich, es wird sogar erwartet. Vor allem in Restaurants sind die Servicekräfte auf ein Plus von bis zu 20 Prozent angewiesen, da sie damit ihren Lebensunterhalt finanzieren. Auch im Taxi greift man im Land der unbegrenzten Möglichkeiten tiefer in die Tasche als andernorts: Bis zu 18 Prozent vergönnt man als Fahrgast dem Taxifahrer zusätzlich zur Gebühr.

Umgekehrt ist es in Japan und China. Wer sich hier mit den Trinkgeldgewohnheiten nicht auskennt, kann gehörig ins Fettnäpfchen steigen. Denn vor allem in Japan wird guter Service als selbstverständlich erachtet, ein Trinkgeld wird als unangemessen betrachtet. Und wer möchte schon seine Gastgeber beleidigen? Auch in China sind Trinkgelder eher unüblich – doch die Einstellung hierzu hat sich je nach Region in den letzten Jahren geändert, sodass es durchaus passieren kann, dass ein Dienstleister die Hand aufhält. Doch nicht immer wird ein Bonus in Form von Geld erwartet. Manche Reisende bringen ihren Guides, Fahrern und Co. kleine Geschenke mit. Deshalb rät das Fremdenverkehrsamt der Volksrepublik China, sich vor Reiseantritt beim Reiseveranstalter oder -leiter über die jeweiligen Gepflogenheiten am Reiseziel zu erkundigen.

Lest hier mehr:

Urlaub in Ägypten: Das muss auf jeden Fall mit!

Unsere Reisetipps für Marokko – für einen Urlaub wie 1001 Nacht

Urlaub mit Hund: Das müsst ihr jetzt wissen