Unterwegs im Süden des Oman: Taucherlebnisse und Weihrauch-Safari in Salalah

Einer unserer sonnenklar.TV Urlauber war im Oman unterwegs. Aus einem geplanten Tauchurlaub wurde letztlich doch noch eine Wüstensafari. Wie es dazu kam und was er in dem Land aus 1001 Nacht erlebt hat, erzählt er euch hier.

Etwas abenteuerlich darf es gerne sein, entsprechend plane ich auch meine Reisen. Weit ab von den Stränden in El Arenal oder am Wannsee suche ich nach extravaganten Plätzen, die einem das Gefühl vermitteln, zu leben. Tauchurlaub war mein Plan und dazu hatte ich mir die Küste des Oman ausgesucht. In der Region um Salalah sollen exquisite Tauchgründe im Arabischen Meer zu finden sein; so war es zumindest im Internet zu lesen. Genauere Angaben dazu gab es nur spärlich. So freute ich mich schon darauf, doch noch eine weitgehend unberührte Unterwasserlandschaft mit eigenen Augen zu sehen.

Küste von Salalah, Oman

Anreise in einen unvergesslichen Abenteuerurlaub

Der Flug von Deutschland in die omanische Hauptstadt Maskat ist generell preiswerter als das Ticket ins gut 1.000 Kilometer südlichere Salalah. Allerdings überzeugte mich der Gedanke an eine mehrtägige Fahrt durch die Wüste bei rund 50°C davon, ein paar Groschen mehr zu investieren und die Route über Dubai und von dort in den Süden des Oman zu buchen. Nur knapp 10 Stunden hat der Flug von Hamburg aus gedauert, inklusive Wartezeit in Dubai. Salalah verfügt über einen gut ausgebauten, modern eingerichteten Flughafen, der allerdings recht klein ist. Weitläufige Ladenzeilen und mondäne Restaurants findet ihr nicht. Dafür ist der Tee aus dem Samowar frisch und das Dattelbrot ein knuspriger Genuss.

Ich hatte mir das komfortabelste Hotel der Region gegönnt, das mit fünf Sternen, eigenem Strand und Taucherbasis auf sich aufmerksam macht. Groß ist die Auswahl an Unterkünften nicht, denn der Fremdenverkehr steckt quasi noch in den Kinderschuhen. Das bemerkt ihr bereits vor dem Terminal. Neugierig werdet ihr von manchem Einheimischen gefragt, woher ihr kommt, oder ihr werdet von verwunderten, aber freundlichen Blicken verfolgt. Keine Bettler oder fliegenden Händler, die euch verfolgen. Dafür hat der Sultan mit Gesetzen gesorgt, die von der allgegenwärtigen Polizeitruppe umgesetzt werden. Nicht umsonst gilt der Oman als eines der sichersten Reiseländer der Welt – statistisch gesehen sicherer als die USA oder Italien.

Schon während der kurzen Fahrt vom Flughafen durch die Stadt zum Hotel fallen euch die zahlreichen Pferde auf. Rassige Araber. Klein vom Wuchs, schlank, ein wenig an Antilopen erinnernd, zeigen diese Vollblüter selbst bei über 40°C ihr überschäumendes Temperament. Ich stellte mir vor, mit so einem Kraftpaket einen Ausritt entlang der Strände zu unternehmen, was ich auf meiner Aktivitätenliste auf einen der ersten Plätze setzte. In meinem Fünf-Sterne-Strandresort angekommen, entpuppte sich das als Märchenpalast aus 1.001 Nacht – nur moderner. Vorzüglich lautet das Urteil; egal ob es sich um die Zimmer, den Service oder das Essen dreht. Der Hotelgarten ist eine verträumte, blühende Oasenlandschaft mit einem Pool, der leicht Architekturpreise gewinnen kann.

Taucherlebnisse im Indischen Ozean

Die Taucherbasis erfüllt alle sicherheitsrelevanten Notwendigkeiten mit Leichtigkeit und steht unter deutscher Leitung. Allerdings bin ich der einzige europäische Kunde. Die meisten Kursteilnehmer kommen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, aus dem Iran, aus Pakistan oder dem benachbarten Jemen. Es sind meist Kaufleute, Manager oder Regierungsangestellte, die zum Ausgleich das Tauchen unter sicheren Bedingungen erlernen wollen. Das will ich nicht, denn ich habe bereits unzählige Tauchgänge absolviert. Unkompliziert wird mir eine Unterwasserexkursion angeboten, die das Tauchlehrerpärchen eher als Freizeitspaß angesehen hat.

Muräne beim Tauchen im Oman

Zu den Hausriffen fahrt ihr mit dem Boot kaum fünf Minuten. Gefleckte Muränen schauen angriffslustig aus ihren Höhlen. Mantas gleiten wie schwerelos durchs Wasser und Riffhaie ziehen gemächlich ihre Kreise. Mit einem tiefen Grummeln und Zischen kündigt sich ein Meeresgigant an, der nur selten aus so kurzer Distanz zu beobachten ist. Wir haben das Glück und können ein kleines Stück parallel zu einem Pottwal schwimmen, der uns ebenso neugierig beäugt wie wir ihn. Fünf Tage lang genoss ich diese fantastischen Tauchreviere, während derer wir auch das Wrack eines chinesischen Frachters inspizierten. Der liegt als künstliches Riff vor der Küste und hielt eine etwas unangenehme Überraschung bereit: Ein Prachtexemplar von einem Bullenhai umkreiste uns und zeigte deutlich mit gekrümmtem Körper, dass seine Absichten weniger freundlich sind. Nachdem wir uns langsam rückwärts schwimmend zu einer Front formiert hatten, verlor der Räuber das Interesse und verschwand.

Zufällige Begegnung – spektakuläre Tour

Ich schlenderte durch Salalah, wo ich an einem Pferdemarkt anhielt. Noch immer hatte ich keinen Ausritt unternommen, denn die werden schlicht nirgends angeboten. Selbst das umtriebige Rezeptionspersonal konnte mir nicht helfen, diesen Wunsch zu realisieren. Im Ort bot ein Händler ein paar prachtvolle Stuten an, von denen die Fuchsfalbe nervös tänzelte und an ihrem Zügel zerrte. Das lange strohblonde Haar der Mähne und des Schweifs hob sich kontrastreich vom goldbraunen Körper ab, was dem Tier Eleganz und Anmut verlieh. Der Besitzer verhandelte mit einem Kunden, was nach arabischer Sitte etwas länger dauert. So kamen wir ins Gespräch, denn der Käufer war über mein Interesse an den Pferden verwundert. Er erzählte mir in gutem Englisch, er brauche die Tiere, um seiner Arbeit nachzugehen. Er würde Weihrauch ernten, so wie es in seiner Familie Tradition war. Nach dem dritten Tee lud er mich ein, ihn am nächsten Tag zu begleiten. Sechs Tage würde die Reise dauern, was bequem in meine Urlaubszeit passte. Eine Wüstentour auf einem Araber wollte ich mir nicht entgehen lassen – und wenn ihr die Gelegenheit habt: Greift zu!

Wüste im Oman

Mit dem Taxi fahre ich an den Westrand von Salalah zum Haus meines freundlichen Gastgebers, der sich mir als Adeel, „der Gerechte“, vorstellt. Zu meiner Überraschung stand unter einer Palme die bildschöne Fuchsstute, die Adeel für mich als Reittier vorgesehen hatte. Typisch arabische Gastfreundschaft. Mit dem Geländewagen und überbreitem Pferdehänger ging es nach al-Mazyuna, denn neben den beiden Arabern begleiteten uns zwei Lastenmulis. Das Dorf ist mitten im Hadschar-Gebirge angesiedelt. Die Fahrt auf der staubigen Straße wird immer wieder verlangsamt. So wie die plötzlich auftretenden Schneewehen in Norddeutschland, so verhindern hier Sandhügel ein zügiges Vorwärtskommen. Die Wüste mit ihren langen, bis zu 30 Meter hohen Dünen war ja auch nur Schritte entfernt. Mit unserer Ankunft in al-Mazyuna erwartet uns ein köstliches Essen mit Spinat und gegrilltem Hähnchen, gefolgt vom obligatorischen Mittagsschlaf. Bei 45°C ziehen sich selbst die Bewohner der arabischen Halbinsel in den Schatten zurück und ihr tut gut daran, dem Beispiel zu folgen.

Weihrauchernte im Hadschar-Gebirge

Die Provinz Dhofar, so auch der frühere Name von Salalah, liegt an der mittelalterlichen Weihrauchstraße. Die führte von Westafrika parallel zum Äquator in den Süden Somalias. In dem Land wird mehr Weihrauch geerntet als in allen anderen Regionen zusammen. Allerdings in weniger guter Qualität. Die Körnung sei zu klein und das Olibanum enthalte zu viel Feuchtigkeit, erklärt mir Adeel. Wasser sei nicht gut, denn das führt beim Verbrennen zu kleinen Explosionen, die böse Brandnarben hinterlassen können. Von Somalia ging die Weihrauchstraße weiter nach Norden, durch den Jemen und schließlich nach Dhofar, wo traditionell der größte Teil der Ernte aus allen Gebieten an die Händler aus Europa verkauft wurde. Grund dafür sei, dass in der Dhofar-Region der beste Weihrauch geerntet wird, der über Jahrzehnte zum gleichen Kilopreis wie Gold gehandelt wurde.

Weihrauch im Oman

Nach rund fünf Stunden auf einem Sattel, der im Prinzip nur aus einem Kissen mit Bauchriemen besteht und ohne Steigbügel auskommt, schmerzen die Beinmuskeln bis hinauf zum Gesäß. Ich bin dankbar, als wir das primitive Nachtlager aufschlagen. Am Lagerfeuer erzählt mir Adeel alles über seinen Broterwerb. Über die Farben des Weihrauchs und davon, dass die erste, die schlechte Ernte nur als Andenken für Reisende verwendet wird. Im zweiten Gang produzieren die Weihrauchbäume, die vom Aussehen an Pinien oder Eukalyptus erinnern, ab Ende April ein reineres Harz, dass den katholischen und orthodoxen Kirchen ihren typischen Geruch verleiht. Jetzt, Ende Mai, wird der nahezu weiße, hochwertige Weihrauch gewonnen. Pro Baum werden bis zu zehn Kilogramm geerntet, abhängig von der Größe, dem Alter und der Menge an Niederschlag.

Mit den ersten Sonnenstrahlen machen wir uns auf den Weg in das angestammte Gebiet, in dem Adeels Familie seit Jahrhunderten die Bäume pflegt. Die atemberaubend schöne Landschaft präsentiert zerklüftete Felsformationen und Schluchten. Die sind streckenweise so eng, dass wir absteigen und die Pferde am Zügel führen müssen. An den Bäumen breitet Adeel sorgfältig ein Tuch um den Stamm aus, in den er Wochen zuvor vorsichtig Kerben ins Holz geschnitten hatte. Die inzwischen vierte Ernte beschert ihm das begehrte luftgetrocknete Gummi von milchig-weißer Farbe als grobkörniges Harz bester Qualität.

An einem Wadi stoßen wir auf den ersten Baum, dessen Olibanum weiß in der Sonne funkelt. Mit einem kleinen Krummmesser kratzt Adeel das kostbare Baumharz vom Stamm und von den kräftigeren Ästen, was den Sack mit etwa sieben Kilo füllt. Beim fünften Baum, am Abend unseres ersten Erntetages, bekommen wir Gesellschaft. Auf einem Felsvorsprung über uns lugt ein arabischer Thar neugierig über die Kante. Die zwergenhafte Bergziegenart galt lange als Fabelwesen, denn europäische Forscher hatten mehrfach vergeblich versucht, das scheue und überaus seltene Tier zu finden. Zudem wirken Thare irgendwie unwirklich und märchenhaft, denn bodenlanges Fell trägt der Thar nur an der Brust und an den Hinterläufen. Dazu kommt eine wilde Mähne zwischen Hörnern, die wie Krummsäbel gebogen sind; insgesamt ein gewöhnungsbedürftiger Anblick.

Arabischer Thar im Oman

Nach der dritten lauschigen Nacht inmitten der Geröllwüste machen wir uns auf den Heimweg. Auf den beiden Mulis liegen fast 120 Kilo bestes Harz mit einem europäischen Marktwert von deutlich über 20.000 Euro. Das erklärt wohl, warum die Heiligen Drei Könige dem neugeborenen Jesus neben Gold und Myrrhe auch Weihrauch schenkten.

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