Zeitreise ins Mittelalter: Mein Roadtrip durch die Provence

Einer unserer sonnenklar.TV Urlauber hat uns einen herrlichen Reisebericht über seine Erlebnisse in der Provence geschickt. Gemeinsam mit seiner Frau hat er im Frühsommer einen Roadtrip zu den schönsten Ecken Südfrankreichs gemacht – oder sollten wir besser sagen: eine Zeitreise ins Mittelalter?

Südfrankreich und insbesondere die Provence gilt als eines der attraktivsten Reiseziele Europas und kann seinen Status als Traumurlaubsziel seit Jahrzehnten aufrechterhalten. Viele verbinden die Provence mit der türkis glitzernden Côte d’Azur, die vor allem die Reichen und Schönen anlockt.

Nun, ganz falsch ist das nicht, doch bei unserem Roadtrip durch Südfrankreich stellten wir schnell fest, dass die Provence viel mehr zu bieten hat als Luxushotels und maritime Jacht-Partys. Wir trauten uns etwas abseits der Strandpromenade ins südfranzösische Hinterland und wurden komplett vom Charme und der Idylle dieser Landschaft eingenommen. Schroffe Felsen, weite Lavendelfelder sowie zahlreiche Schlösser und Burgruinen warteten darauf, von uns entdeckt zu werden. Eine Zeitreise ins Mittelalter, die wir so bald nicht vergessen werden!

Abtei von Senanque, Provence, Frankreich

Mein Tipp: Südfrankreich erkundet ihr am besten mit dem Auto. Nur so ist es möglich, zu den entlegensten Orten und auf die höchsten Klippen zu gelangen, um die Region in all ihren Facetten kennenzulernen.

Unsere Route von Èze nach Toulon: Von der Ruine zur Kathedrale

Wir starteten an der italienischen Grenze, von wo aus wir schnell nach Èze kamen. Èze ist ein wunderschönes mittelalterliches Dorf mit schmalen Gassen, das oben an der Steilküste zwischen Nizza und Menton gelegen ist. Neben dem wohl schönsten Panorama der Côte d’Azur gibt es in Èze auch eine alte Burgruine aus dem 12. Jahrhundert, um die ein bezaubernder exotischer Garten angelegt wurde.

Gasse in Eze in Frankreich

Von Èze aus ging es für uns weiter nach Grasse. Die „Stadt der Düfte“ war uns aus Süskinds Roman „Das Parfum“ bekannt. Sie ist seit Jahrhunderten weltberühmt für ihre Parfümeure. Wir schlenderten durch die idyllische Altstadt mit engen Gassen und fühlten uns zurückversetzt ins Mittelalter. Äußerst sehenswert ist die Kathedrale Notre Dame de Puy.

Etwas außerhalb von Grasse entdeckten wir dank eines Insidertipps eines Shop-Betreibers die kleine Gemeinde Gourdon, die als eines der schönsten Dörfer Frankreichs klassifiziert ist. Der Ort ist in weiten Teilen in seinem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben. Das Schloss Château de Gourdon aus dem 13. Jahrhundert gibt der kleinen Gemeinde einen ganz besonderen Flair.

Saint-Raphaël wollten wir uns dann ebenfalls nicht entgehen lassen: An den Klippen der kleinen Hafenstadt prangen luxuriöse Sommerresidenzen, die allemal ein paar Fotos wert sind. In der Altstadt befindet sich die Kirche San Rafeu aus dem 12. Jahrhundert. Vom Kirchturm aus konnten wir das wundervolle Panorama der Stadt einfangen. Zu diesem Zeitpunkt war unsere Digitalkamera schon ziemlich beansprucht!

Von dort aus fuhren wir weiter nach Toulon, einer Stadt am östlichen Ende des Golfe du Lion, rund 70 Kilometer südöstlich von Marseille. Wir wollten hier zwar nur übernachten, trotzdem haben wir uns auch noch etwas umgesehen. Die Altstadt ist klein, aber fein. Sehenswert ist die Kathedrale, mit deren Bau im 11. Jahrhundert begonnen wurde. Abgeschlossen waren die Bauarbeiten erst im 18. Jahrhundert.

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Von Marseille nach Avignon: Jetzt wird’s kulturell

Die einen hassen, die anderen lieben sie: Marseille, die bedeutendste europäische Hafenstadt. Auf den ersten Blick wirkte die Stadt auf uns groß, laut und schmutzig. Dennoch wollten wir auf das typisch französische Flair nicht verzichten, das viele mit Marseille verbinden.

Besonders imposant ist die Notre-Dame de la Garde, eine Wallfahrtskirche, die jedes Jahr von rund zwei Millionen Reisenden und Pilgern aufgesucht wird. Die Kirche steht auf einer 161 Meter hohen Anhöhe, von der aus man einen atemberaubenden Blick auf die Küste hat. Wir waren schon sehr früh dort, um die Idylle ungestört zu genießen.

Notre Dame de la Garde in Marseille

Nicht weniger beeindruckend ist die Festung Saint Jean, deren markante Türme bereits von Weitem sichtbar sind. Rund um die Burg befindet sich eine mediterrane Gartenanlage, die ebenfalls einen Besuch wert ist.

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Von Marseille aus haben wir unsere Reise durch die Alpilles, die „kleinen Alpen“, in die alte Hauptstadt des Christentums nach Avignon fortgesetzt. Die Alpilles sind eine Kalksteinkette im Herzen der Provence, die für ihr Panorama, ihre Trauben und ihre Oliven bekannt ist. Selbstredend, dass wir hier einen kurzen Boxenstopp eingelegen mussten!

Hier finden sich zudem einige kleinere und größere, geheimere und bekanntere Burgruinen und Schlösser, die wir quasi im Vorbeifahren betrachten konnten. Berühmt ist insbesondere das Schloss von Lex Baux-de-Provence, das direkt auf einer Felskuppe im Herzen der Alpilles liegt. Hier konnten wir den gefühlt hundertsten wunderbaren Panoramablick über die Landschaft genießen. Bei einer Schlossführung mit Audio-Guide erfuhren wir außerdem viel über die bewegte Vergangenheit der Region. Idyllisch war es hier bei Weitem nicht immer …

In Avignon angekommen fühlten wir uns noch um einige weitere Jahrhunderte in die Vergangenheit zurückversetzt. Die Besiedlung des Gebietes um Avignon geht bis ins vierte Jahrtausend vor Christus zurück. Ihre Hochblüte erlebte die Stadt im Früh- und Hochmittelalter. Aus diesem Grund bietet die Stadt auch heute noch ein reiches Kulturerbe und gilt als besonderer künstlerischer und kultureller Schauplatz.

Brücke von Avignon mit Papstpalast im Hintergrund

Alleine in der Altstadt gibt es eine nicht unbeträchtliche Anzahl alter Kirchen aus dem Mittelalter; überhaupt kommt ein intensiver Besuch der Altstadt einer kleinen Zeitreise gleich. Sehenswert sind außerdem die Kardinalspaläste und natürlich der Papstpalast aus dem 14. Jahrhundert.

► In Avignon befindet sich übrigens auch eine der berühmtesten Brücken der Welt. Könnt ihr erraten, welche das ist? Die Antwort gibt’s hier!

Von Nîmes nach Carcassonne: Im Paradies

Irgendwie schafften wir es, uns von der bezaubernden Stadt Avignon loszureißen, und fuhren nach Nîmes, um neben französischem auch noch etwas römischen Flair atmen zu können. Die Stadt bietet eine interessante Mischung aus römischer und französischer Baugeschichte. Zahlreiche Bauten sind noch aus der Römerzeit erhalten.

Am imposantesten ist hier das Amphitheater, das vor rund 2.000 Jahren erbaut wurde. Wunderschön ist zudem die Kathedrale aus dem 11. Jahrhundert, die im Laufe der Zeit mehrmals zerstört und wieder aufgebaut wurde und heute eine Kombination verschiedener architektonischer Stile zeigt.

Von der überaus römischen Stadt im Süden Frankreichs ging es in die karge Bergwelt Roquebruns. Ein wahrhaft kontrastreicher Roadtrip! Doch der erste Schein trügt. Roquebrun ist alles andere als karg. Das malerische Dorf wurde geradezu in eine mediterrane Version des Garten Edens verwandelt. Außerdem entdeckten wir hier außergewöhnlich gute regionale Restaurants, von denen aus wir teilweise einen schönen Blick auf die umliegende Bergwelt hatten.

Nicht weit entfernt liegt eine wahre Hochburg der Architektur: Montpellier. Zahlreiche Bauwerke der Stadt wurden von namhaften Architekten entworfen. Natürlich durfte dieser Abstecher in unserer Reise durchs französische Mittelalter nicht fehlen.

Place de la Comedie in Montpellier

Wir besichtigten die Kathedrale Sankt Peter, die Ende des 14. Jahrhunderts erbaut wurde. Direkt im Einzugsgebiet Montpelliers besuchten wir danach das Schloss Castries aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Das Schloss ist in der Liste der Historischen Monumente verzeichnet und hat eine lebhafte Geschichte hinter sich, über die man in einer Führung alles erfahren kann.

Unsere Reise endete in der Festungsstadt Carcassonne. Die mittelalterliche Altstadt der Gemeinde ist von einem Festungsring umschlossen, der wohl wie kein zweiter die Reisebroschüren Südfrankreichs ziert. Viele Highlights und ein Überfluss an Postkartenbildern lagen hinter uns, doch bei der Anfahrt nach Carcassonne hatten wir das Gefühl, uns das Beste für den Schluss aufgespart zu haben.

Seit 1997 gehört die Stadt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Zurecht! Im Mittelalter war Carcassonne einer der Hauptstützpunkte der Katharer; die Festungsanlage ist hinsichtlich ihrer Größe und ihres Erhaltungszustandes einzigartig in Europa. Im Inneren der alten Gemäuer befinden sich die sehenswerte Burg Château Comtal aus dem 12. Jahrhundert und die Kirche St-Nazaire und St-Celse. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die Kathedrale Saint-Michel aus dem 13. Jahrhundert.

► Stilecht in Carcassonne übernachtet haben wir übrigens im Hotel De La Cité

Nicht zu verachten ist auch die hollywoodgleiche Filmgeschichte, die die Stadt hinter sich hat: Sie wurde und wird aufgrund ihrer historischen Festung oft als Filmkulisse und Drehort zahlreicher Streifen verwendet und gilt als Inspirationsquelle für Produzenten wie etwa Walt Disney.

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