Reisebericht über Marokkos Königsstädte: Afrikas arabische Welt

Marokko fasziniert mit seinen Schätzen absolut jeden Urlauber. Diese Erfahrung machte auch unser Autor, der eine Tour durch die vier Königsstädte des Landes gemacht hat. Was er dort entdeckt hat, erzählt er euch in seinem Reisebericht über das wunderbare Marokko.


Inhaltsverzeichnis


Wird über Marokkos Königsstädte gesprochen, ist nicht Tanger gemeint, das durch Agententhriller in den Kinos weltberühmt wurde. Auch der famose Badeort Agadir mit seinen erstklassigen Golfplätzen am Atlantik hat seine Reize, aber keine königlichen. Und Casablanca, wo Humphrey Bogart sich tief in die Augen schauen ließ und die tatsächlich blendend weißen Häuser aus dem Weltall zu sehen sind? Casablanca ist in der Tat eine Reise wert – aber nicht von königlichem Geblüt.

Anders die gegenwärtige Hauptstadt Rabat und die historischen Regierungssitze Fès, Meknès sowie Marrakesch. Alle vier sind oder waren das Machtzentrum königlicher Herrscher. Diese ließen in ihrer Umgebung unvergleichliche Prachtbauten errichten, die seinerzeit ihren Ruhm mehren sollten und euch heute als spannende Attraktionen dienen. Überdies erlaubt euch eine Rundreise durch die marokkanischen Königsstädte einen tiefen Einblick in die bewegte Geschichte und die faszinierende Kultur des nordafrikanischen Landes an der Sahara.

Zur besseren Orientierung habe ich euch Marokkos Königsstädte in dieser Karte markiert:

Das kaum bekannte Rabat: Meine Entdeckungen

Obwohl Rabat eine lange Geschichte vorweisen kann, in ihr Alt sowie Neu empfindsam miteinander verschmolzen sind und sie die Hauptstadt Marokkos ist – berühmt ist der gegenwärtige Regierungssitz des demokratisch gewählten Parlaments und des Sultans wahrlich nicht. Selbst das bekannteste Wahrzeichen, der Hassan-Turm, wurde im 12. Jahrhundert als Minarett begonnen, aber nie fertiggestellt.

Gleich gegenüber thront das Mausoleum von Mohammed V. auf einem Hügel. Sein mit grünen Kacheln gedecktes Dach ist weithin zu sehen. Das moderne architektonische Meisterwerk wurde in der Tradition marokkanischer Bauweise 1971 fertiggestellt. 18 Jahre später wurde König Mohammed V., Großvater des heutigen Regenten, hier beigesetzt.

Ein Reisebericht über das Mausoleum und den Hassan-Turm in Rabat, Marokko

Zwei Sehenswürdigkeit an einem Fleck: Der berühmte Hassan-Turm und das wunderschöne Mausoleum in Rabat.

Während der größte Teil Rabats eher an westliche Metropolen der Neuzeit erinnert, hat sich die Kasbah ihren mittelalterlichen Charme bewahrt. Ich habe die einst so mächtige Festungsanlage, von deren Mauern ich die gesamte Küstenregion am Mittelmeer überblicken konnte, erkundet. Absolut lohnenswert! Innerhalb der Kasbah, die von gewaltigen Wällen umgeben ist, herrscht eine vollkommen andere Atmosphäre als im Rest der Hauptstadt. Zudem findet ihr hier die kleinen Häuser, die blau oder weiß angestrichen sind und mit ihren Flachdächern eher andalusisch als marokkanisch aussehen.

Häuser in der Kasbah von Rabat

Andalusischer Charme im Norden von Afrika: Die Kasbah wird euch verzaubern.

Marokkos älteste Königsstadt Fès

Fès wurde bereits im 9. Jahrhundert unter Sultan Idriss II. gegründet. Der Monarch soll ein Ururenkel des Propheten Muhammad gewesen sein, der sich Fès als Platz für seine Hauptstadt aussuchte, rund 210 Kilometer östlich von Rabat. Nach dem Fall seiner Dynastie übernahmen die Almoraviden die Macht, deren Regierungssitz Marrakesch wurde.

Fès blieb als Handelsmetropole wichtig und wurde in ihrer langen Geschichte zwei weitere Male Hauptstadt Marokkos. Mein Eindruck: Die aufregendste der kaiserlichen Städte ist prachtvoll und umringt von Mauern, die fast 16 Kilometer lang sind.

In meinem Reisebericht berichte auch, dass Fès noch von vielen Stadtmauern umringt ist

Sogar die Stadtmauern von Fès laden zum Verweilen und Bestaunen ein.

Fès‘ Stadtteile

Die beste Aussicht über die Stadt bescheren euch die Merinid-Gräber im Norden. Von dort ist gut zu erkennen, dass Fès eigentlich ein Zusammenschluss von drei Orten ist. Im Zentrum liegt Fès el Bali, die mittelalterliche Stadt, die Medina. In diesem Viertel lebt fast die Hälfte der Bevölkerung. Enge verwinkelte Gassen, kleine Handwerksläden und urige Teestuben könnt ihr hier erkunden. Allerdings ist der Stadtteil derart verwirrend, dass es für mich persönlich sinnvoll war, einen Führer zu engagieren.

Fès el Jedid, die Neustadt, entstand im 13. Jahrhundert In diesem Bereich ist das Mellah, das alte jüdische Viertel, zu finden. Alt deshalb, weil nach dem Pogrom 1033 mit über 6.000 Opfern die jüdische Bevölkerung in die Nähe des Palastes umgesiedelt wurde. Allerdings erst rund 300 Jahre später, 1325. Übrigens ist der Königspalast Dar El Makhzen bis heute erhalten. Etwas seltsam mutet die Fassade an, die mitten aus einer mächtigen Mauer nach außen tritt.

Fassade Königspalast in Fès

Die prachtvoll verzierte Fassade des Königspalastes hat mich auf meinem Trip durch Marokkos Königsstädte absolut in ihren Bann gezogen.

Die meisten Besucher ignorieren gerne den dritten Stadtteil Ville Nouvelle, der im französischen Stil nach 1916 entstand, während des Protektorats der Franzosen.

Alle Moscheen stehen ausschließlich Muslimen offen. Aber ihr könnt durch den Eingangsbereich des Zaouia Moulay Idriss das Grab des Stadtgründers sehen. Zu den schönsten Bauwerken in Fès gehören zweifellos die Medersa, die Koranschule und Universität Bou Inania. Hier steht der prachtvoll gestaltete Hof im krassen Gegensatz zu den sehr einfachen Zellen, in denen früher die Schüler lebten.

Sehenswert ist das neu eröffnete Riad Belghazi-Museum. Seine Schätze sind alle in einem Riad aus dem 17. Jahrhundert ausgestellt. Als Riad werden die Stadtvillen der reichen Kaufleute bezeichnet, die um einen orientalischen Hofgarten herum gebaut wurden.

Ebenso wie mich wird euch auch die Medina mit ihren engen Gassen begeistern, in der die Zeit scheinbar eine Atempause eingelegt hat. Hier haben Pferde und Esel Vorfahrt, denn sie versorgen die kleinen Geschäfte im Souk mit Waren aller Art; von Gemüse über handverzierte Messingschüsseln bis zum grellbunten Mobiltelefon aus asiatischer Produktion. In einigen davon könnt ihr euch einen Fez als Andenken kaufen, den leuchtend roten Filzhut, der mit und ohne Quast angeboten wird.

Jeder Bezirk innerhalb der Medina hat sein eigenes Badehaus, eine Bäckerei oder einen Messerschärfer, deren Familien seit Generationen dem jeweiligen Gewerbe nachgehen. Die ganze Medina ist ein Labyrinth, in dem sich das Verlieren, um dann doch den richtigen Weg zu finden, zum Spaß gehört.

Für meinen Reisebericht habe ich auch bei einer Gerberei in der Medina von Fès vorbeigeschaut.

Eine Gerberei inmitten der Medina von Fès.

Das entspannte Meknès

Meknès ist zwischen Rabat und Fès angesiedelt, rund 150 Kilometer östlich der Hauptstadt Marokkos. Die Stadt ist entspannt und geradezu leger. Hier steht nicht eine quirlige, pulsierende Medina im Mittelpunkt, sondern das kaiserliche Hauptquartier von Moulay Ismael aus dem 17. Jahrhundert. Diese befestigte Stadt innerhalb von Meknès könnt ihr tagelang erkunden, denn mehrere Paläste, Moscheen, Verliese und prachtvolle Gärten lassen keine Langeweile aufkommen. Der Höhepunkt sind die königlichen Ställe, zu denen die riesigen Getreidesilos gehören. Dort wurde so viel Nahrung aufbewahrt, dass die Bevölkerung auch eine einjährige Belagerung problemlos überstehen konnte. In den Ställen Heri es-Souani war Platz für 12.000 Pferde und Herden von Ziegen, Schafen und Kühen konnten gehalten werden.

Das schmuckvolle, reich mit Ornamenten und Mosaiken ausgekleidete Moulay Ismael Mausoleum ist zwar ein besonders heiliger Ort für Muslime, darf jedoch auch von Angehörigen anderer Religionen betreten werden. Allerdings gilt ein striktes Fotografierverbot, an das ihr euch als Gast im Land auch unbedingt halten solltet. Nur Schritte entfernt ist das Christengefängnis interessant.

Reisebericht über Meknès

Bei Meknès gibt es übrigens auch etwas für Geschichtsfans zu entdecken: die Ausgrabungsstätte Walili (ehemals Volubilis) aus der Römerzeit.

Marrakesch: Märchenstadt aus 1001 Nacht

Wusstet ihr’s? Von Marrakesch leitet sich der Landesname Marokko ab. Abgesehen von den allgemein bekannten Sehenswürdigkeiten wie den riesigen Souks oder dem Koutoubia-Turm, beherbergt Marrakesch einige versteckte Perlen, die es zu entdecken gilt und die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Beim Bau der Saadier-Gräber scheinen die Architekten einem Rausch verfallen zu sein, derart prachtvoll sind sie gestaltet. In dem Mausoleum fanden Sultane aus der Saadier-Dynastie ihre letzte Ruhestätte.

Architektonisch einzigartig ist die Ben Youssef Medersa, die größte islamische Schule Marokkos. Der Bahia-Palast wurde im Stil der Alhambra von Granada erbaut. Der Monumentalbau gilt als wunderbares Beispiel für die Architektur des 19. Jahrhundert, bei der eine stattliche Raumgröße wichtig war. Das gilt ebenso für das nahe Dar-Si-Said, einen ehemaligen Palast, der heute ein historisches Museum ist.

Reisebericht über die Ben Youssef Medersa in Marrakesch

Taucht ein in die Vergangenheit Marrakeschs bei einem Besuch der Ben Youssef Medersa!

Marrakesch ist berühmt für die einzigartigen Gärten. Besuchen solltet ihr unbedingt den Jardin Majorelle, dessen Artenreichtum und kleine Seen und Paläste zu den schönsten Nordafrikas zählen. Der Jardin Majorelle wurde von einem französischen Maler geschaffen. Yves Saint-Laurent kaufte später das märchenhafte Areal und nach seinem Tod wurde seine Asche im Garten verstreut.

Für einen Reisebericht über Marokkos Königsstädte gehört ein Besuch im Jardin Majorelle in Marrakesch dazu

Na, faszinizert? Das hier ist nur eines von vielen wunderbaren Details, welche euch im berühmten Jardin Majorelle erwarten!

Natürlich gehört ein Besuch des Souk zu einer Städtereise nach Marrakesch dazu. Er ist nach Waren oder Handwerk aufgeteilt. Fisch wird an einem Platz verkauft, während weit ab davon Gemüse angeboten wird. Im Kleider-Souk könnt ihr an Ständen stöbern und nach arabischer Sitte um den Preis feilschen. Der Gerber-Souk ist kleiner als in Fès, aber ebenso interessant. Genau wie der Färber-Souk, in dem Wolle jeden Tag in einer anderen Farbe hergestellt wird.

Goofy war auf seiner Weltreise für uns in Marokko unterwegs – und da konnte er sich den Gauklerplatz in Marrakesch natürlich nicht entgehen lassen. Seht hier im Video seine Eindrücke von dem bunten Treiben unter ihm:

Meine Tipps für euren Trip zu Marokkos Königsstädten

Auf den Märkten gelten einige Regeln, die ihr beherzigen solltet. Ausländischen Gästen wird häufig ein Preis genannt, der ein Vielfaches über dem tatsächlichen Wert liegt. Für mich hat sich der Ansatz bewährt, den Preis bei rund zehn Prozent der genannten Summe anzusetzen und nur dann zu feilschen, wenn ich auch wirklich an einem Kauf interessiert war. Stehen größere Anschaffungen wie ein Teppich zur Diskussion, gehört ein Glas Tee unabdingbar zum Verhandlungsgespräch.

Außerdem kann ich euch empfehlen: Wollt ihr einen Führer nutzen, solltet ihr seinen Lohn unbedingt vorher aushandeln. Je nachdem, wie glücklich der Ortskundige damit ist, bekommt ihr aber nicht immer zu sehen, was ihr gerne wollt. Abhängig davon, wo die Familie des Stadtführers ihre Geschäfte betreibt, wird die Route gerne geändert.

Gasse in Marokko

Wie soll man sich als Fremder jemals allein in Marokkos Gassen zurechtfinden? Wie gut, dass die Marokkaner so hilfsbereit sind!

Kulinarisches Marokko – ihr werdet es lieben!

Oft sind Restaurants darunter, in denen ausschließlich marokkanische Gerichte serviert werden, z.B. Briouat. Die beliebte Vorspeise ist ein dreieckiges oder röhrenförmiges Gebäck, gefüllt mit Fleisch oder Reis und bestäubt mit Puderzucker sowie Zimt. Harira solltet ihr ebenfalls probieren. Die dicke Fleischsuppe mit Kichererbsen und Koriander ist das ganze Jahr über erhältlich. Sie wird aber während des Ramadan traditionell gegessen, um das Brechen des Fastens zu markieren.

Mir hat Pastilla sehr gut geschmeckt. Dieser Kuchen wird als Hauptgericht serviert und kommt von der Herstellung einer italienischen Lasagne nahe. Allerdings ist er süß und herzhaft zugleich. Mehrere Teigschichten sind mit Fleisch, Gemüse und Nüssen gefüllt.

Eine Art Nationalgericht ist Tajine, was eigentlich die Bezeichnung für eine flache Pfanne ist. Darin wird Hähnchen oder Lamm mit Gemüse und getrockneten Früchten geschmort, was unter gleichem Namen angeboten wird. Als Fleischliebhaber wird euch Mechoui begeistern, das mit Kräutern und Meersalz gewürzte Lamm, das im traditionellen Lehmofen gebackten wird.

Tajine in Marokko

Tajine in Marokko – so schmeckt Urlaub wie aus 1001 Nacht.

Lust auf das magische Marokko bekommen? Dann lest hier unsere Reisetipps zu dem Land aus 1001 Nacht!

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