Von Ajo bis Zumo – Streifzug durch die Küche der Kanaren

Die Kanaren gehören ganzjährig zu den beliebtesten Urlaubszielen der Deutschen und sind bekannt für ihre Strände, Dünen und Vulkane. Doch wer sich kulinarisch nur auf das Hotelbuffet beschränkt, verpasst eine der größten Attraktionen der Inseln: die traditionelle Küche. Auch wenn Fisch vorherrschend ist, geht Fleischliebhabern ebenso das Herz auf. „En adobo“ zubereitet, wird es gerne in einer pikanten Marinade aus Thymian, Öl, Essig, Paprika und Knoblauch eingelegt und anschließend über Holzkohle gegrillt, im Tontopf geschmort oder in der Pfanne gebraten. Vegetarier dürfen sich auf viel frisches Gemüse und rund 50 Kartoffelsorten freuen, die hier gedeihen.

Gesund und einfallsreich – Leckerbissen aus heimischen Gefilden

Auch wenn auf den Kanarischen Inseln die Aromen der spanischen Küche vorherrschen, sind exotische Einflüsse unverkennbar. Eine Prise Südamerika, ein Hauch Afrika und das Feuer Mexikos würzen die Speisen der Insulaner und machen sie zu einem unvergleichlichen Geschmackserlebnis. Auch die Guanchen, die Ureinwohner der Kanarischen Inseln, haben mit dem Nationalgericht Gofio, einem Brei oder Gebäck aus geröstetem Getreide, die kanarische Küche revolutioniert und hier deutliche Spuren hinterlassen.

Aufgrund der Lage mitten im Atlantik kommen auf den Kanaren vorwiegend einheimische und gesunde Produkte auf den Tisch. Viele Restaurants schicken täglich ihre eigenen Fischerboote hinaus aufs Meer, um frischen Fisch, Hummer und Krabben zu fangen, die noch am selben Tag auf dem Teller landen. Dank des ganzjährig frühlingshaften Klimas auf den Kanaren findet ihr auf den bunten Märkten in den Dörfern und Städten die passenden Beilagen in Form von sonnengereiftem Obst und Gemüse. Auch wenn Fisch in allen Variationen die Inselküche dominiert, dürfen Eintöpfe, Fleisch, Tapas und die traditionelle Paella auf keiner Speisekarte fehlen. Für jemanden, der wie ich fangfrischen Fisch, deftige Eintöpfe, würzige Soßen und Kartoffeln liebt, sind die Kanaren ein wahres Schlaraffenland.

typisches Gericht auf den Kanaren

Schlemmen von Tapas bis zum süßen Finale

Die Tradition, eine Mahlzeit mit Tapas zu beginnen, ist der wohl bedeutsamste spanische Beitrag zur gastronomischen Welt der Vorspeisen. Da sie meist in Kombination mit einem Glas Wein oder Bier verzehrt werden, behaupten böse Zungen, die Tapas wären ein willkommener Vorwand, sich vor dem Hauptgericht ein paar Drinks zu genehmigen. Wörtlich übersetzt bedeutet das spanische Wort „Tapa“ auf Deutsch „Deckel“ und geht auf eine mittelalterliche Tradition zurück, bei der ein Glas Wein mit einem Stück Schinken abgedeckt serviert wurde.

Heutzutage sind die berühmten Tapas leichte Vorspeisen, die nach überlieferten Rezepten als Appetithäppchen vor dem Mittag- und Abendessen gereicht werden. Den Möglichkeiten, die Tapas zu präsentieren, sind keine Grenzen gesetzt: Egal, ob als Pincho, aufgespießt auf einem Zahnstocher, in einem Glas oder originell auf Lavascheiben angerichtet, sind die kleinen Appetithäppchen nicht nur ein Gaumenschmaus, sondern auch ein echter Hingucker. Klassiker unter den Tapas ist das Pan con ajo y aceitunas, Brot mit Knoblauchmayonnaise und Oliven, ein Ensemble, das oft als Gruß des Hauses kostenlos vor dem Essen angeboten wird. Aber denkt beim Stöbern in der Speisekarte daran, dass Tapas auf den Kanaren auch gerne als Enyesques bezeichnet werden.

Papas Arrugadas. Spezialität auf den kanaren

Bei keinem Essen fehlen dürfen auf den Vulkaninseln die beliebten Papas arrugadas con mojo, im Volksmund auch als „Runzelkartoffeln“ bekannt. Die Kartoffeln, die samt ihrer Schale in Salz eingelegt werden, sind vor allem als Beilage zu gegrilltem Fleisch heiß begehrt. Feurig und würzig ist die traditionelle Soße Mojo, die aus Knoblauch, Pfeffer, pürierten Chilischoten und Meersalz zubereitet wird. Wenn ihr es etwas milder bevorzugt, ist die grüne Mojo verde für euch die richtige Wahl. Crème fraîche, Petersilie und Korianderkraut lassen eine sanfte, aber nicht minder aromatische Soße entstehen.

Dass die Canarios Süßes lieben, bestätigt ein Blick auf die Nachspeisen. Besonders beliebt bei Feinschmeckern ist der inseltypische Flan mit Karamellkruste. Mein persönlicher Favorit unter den Desserts in das Bienmesabe, was so viel heißt wie, dass es mir gut schmeckt. Ursprünglich aus Gran Canaria stammt die aus Honig, Mandeln und Zucker hergestellte Creme, die bevorzugt zu Kuchen oder Eis gegessen wird.

Ihr seid jetzt richtig hungrig auf einen Urlaub auf den Kanaren, aber wisst nicht, welche Insel am besten zu euch passt? Überhaupt kein Problem – wir stellen euch die kanarischen Inseln mit ihren Vorzügen genauer vor. 

Alles aus einem Topf – traditionelle Kulinarik

Eintöpfe gehören zu den Spezialitäten auf den Kanarischen Inseln. In früheren Zeiten, als die Traditionsgerichte anlässlich von Volksfesten und Feiertagen serviert wurden, enthielten die Eintöpfe so ziemlich alles, was die heimische Landwirtschaft hergab. Ein Klassiker ist der Puchero, der aus frischem Gemüse, verschiedenen Fleischsorten und Bohnen zubereitet wird. Eine beliebte, aber meiner Meinung nach etwas gewöhnungsbedürftige Eintopfvariante ist der Sancocho, der auch heute noch fester Bestandteil eines jeden Volksfestes ist. Dieser besteht aus gesalzenem Fisch, wie cherne oder corvina, Gemüse und Süßkartoffeln. Mich bringt der Eintopf hinsichtlich der Zusammenstellung zwar etwas aus dem Gleichgewicht, aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, und die Mehrheit der Canarios liebt ihren Sancocho, der zudem noch kalorienarm und gesund ist. Vor allem der bunte Gemüseeintopf Potaje canario, bestehend aus Bohnen, Kürbis, Kartoffeln und viel Safran, hat es mir angetan.

ropa vieja, typischer Eintopf auf den Kanaren

Aber auch Ropa vieja, was wörtlich übersetzt „alte Kleider“ bedeutet, solltet ihr zumindest einmal probiert haben, wenn ihr auf den Kanaren Urlaub macht. Ähnlich wie die Paella stammt dieser Eintopf aus einer Zeit, in der die Menschen Lebensmittel nicht lange aufbewahren konnten und zeitnah verwerten mussten. Deshalb wandert in diesen Eintopf alles, was die Küche hergibt. Neben Kartoffeln, Kichererbsen und Gemüse kann der Eintopf auch Fisch, Meeresfrüchte, Fleisch, die pikante Paprikawurst Chorizo oder alles zusammen enthalten. In jedem Restaurant etwas anders zubereitet, variiert der Geschmack entsprechend. Schließlich schwört jeder Küchenchef auf sein ganz persönliches Geheimrezept, und selbst das ändert sich je nach den verfügbaren Zutaten und der Laune des Kochs. Als dominierendes Gewürz in der kanarischen Küche gilt der Safran, der auch für die Gelbfärbung vieler Speisen verantwortlich ist, Seite an Seite mit Lorbeer, Kreuzkümmel und dem allgegenwärtigen Knoblauch, dem Ajo. Empfehlenswert sind Eintöpfe eigentlich immer, wobei ihr entscheidet, ob ihr die südamerikanischen Varianten (picante) für schärfegestählte Gaumen oder doch lieber die mildere Version (suave) wählt.

Wandlungsfähiges Nationalgericht und faire Preise

Auf die Guanchen zurückgehend, gilt Gofio als Grundnahrungsmittel auf den Kanarischen Inseln und wird zurecht als Nationalgericht bezeichnet, denn hier isst man das Gebäck aus Weizen, Mais und Gerste zu jeder Tages- und Nachtzeit. Unterschiedlich lang geröstet, ist der Gofio geschmacklich sehr variabel. Traditionell wird er herzhaft verfeinert und bevorzugt als Beilage zu Fisch oder Fleisch gegessen. Zum bereits erwähnten Eintopf Sancocho serviert man den Gofio escaldado, eine Variante, die in Fischsud angerührt und mit Knoblauch abgeschmeckt wird.

Gofio, typische Speise auf den Kanaren

Als Vorspeise oder Tapa werdet ihr Gofio in nahezu jedem Restaurant auf den Kanaren finden. Auch wenn der Geschmack etwas eigenwillig ist, solltet ihr die Nationalspeise auf jeden Fall probieren, wenn ihr auf den Kanaren seid. Meine persönliche Lieblingsversion ist zum Dippen und wird mit gerösteten Zwiebeln und Knoblauch kombiniert.

Auch die süße Zubereitung des Gofios hat eine lange Tradition: Zum Frühstück essen die Einheimischen das Gebäck gerne mit eingekochtem Palmensaft (miel de palma), Honig und Mandeln. Bei keinem kanarischen Frühstück fehlen dürfen die Zumos naturales, frischgepresste Säfte. Dank des Reichtums an sonnengereiften Orangen, Papayas und Mangos könnt ihr auf den Inseln jeden Tag mit einem gesunden Vitamincocktail beginnen.

In Verbindung mit Eis und Schokolade entstehen aus Gofio köstliche Nachspeisen. Wenn die Küche kalt bleiben soll, bietet es sich vor allem zum Mittagessen an, die einheimischen Lokale zu besuchen. Besonders in Gegenden, die weniger von Urlaubern frequentiert werden, sind die Gastwirte auf die lokale Bevölkerung angewiesen und bieten hochwertige Hausmannskost zu einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis. Wie auch in anderen Regionen Spaniens haben viele Lokale Mittagsmenüs auf der Speisekarte, die den Stundenlohn der Normalbevölkerung von 7,50 bis 10,00 Euro nicht übersteigen. Oft enthalten die Tagesgerichte eine Vorspeise, eine Hauptspeise und eine Nachspeise sowie ein Getränk. Apropos Getränk: Neben den einheimischen Weinen solltet ihr unbedingt auch das lokale Bier probieren. Aus Gran Canaria kommt das helle „Tropical“, während das „Dorada“ auf Teneriffa gebraut wird. Salut!

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