Die 4 Jakobswege in Frankreich

Die vier bekanntesten Pilgerwege Frankreichs haben ein gemeinsames Ziel: Das Apostelgrab des Heiligen Jakobus im spanischen Santiago. Die meisten pilgern den Jakobsweg aus Spanien, doch die Routen durch Frankreich haben jeweils ihren ganz eigenen Reiz. Welche Strecken es gibt und was ihr dort entdecken könnt, erfahrt ihr hier.


Jakobswege in Frankreich

  1. Via Podiensis
  2. Via Turonensis
  3. Via Lemovicensis
  4. Via Tolosana

Seit dem Mittelalter pilgern Menschen aus Europa – und heute auch aus aller Welt – nach Santiago de Compostela Ort. Die Strecken dorthin werden als „Jakobswege“ bezeichnet. Am bekanntesten sind die spanischen Routen. Doch es gibt auch vier historische Jakobswege, die in Frankreich starten. Die haben wir euch hier auf der Karte eingezeichnet:

Karte mit Frankreichs Jakobswegen

Ursprünglich führte die Pilger ihr persönlicher Jakobsweg zum Grab des Heiligen Jakobus, um ihn zu verehren. Heute spielen andere Gründe bei der Auswahl eines Pilgerweges eine Rolle: Kultur, Architektur, die Landschaft oder Gastronomie – aber auch, wie viele andere Pilger auf diesem Weg unterwegs sind. In Frankreich gibt es hierbei vier unterschiedliche Jakobswege, die auch heute noch für ihre unterschiedlichen Reize bekannt sind:

1. Der Jakobsweg Via Podiensis

Die von erloschenen Vulkanen geprägte Landschaft der Auvergne und der Startpunkt Le Puy gaben diesem Weg seinen lateinischen Namen. „Via“ bedeutet hierbei „Weg“ und „podium“ heißt übersetzt „Bergkuppe“. Das beschreibt schon ziemlich gut, was vor euch liegt. Allerdings sollte euch die hügelige Landschaft nicht abschrecken, denn es erwarten euch auf den folgenden 740 Kilometern tolle Aussichten sowie romanische Kirchen, Klöster und Kapellen.

Hinweis: Die Via Podiensis wird auf Wanderkarten und Wegweisern auch als „GR65“ bezeichnet.

Herausragend ist die Via Podiensis wegen ihrer geschichtliche Bedeutung. Auf genau diesem Wege machte sich Bischof Godeschalk von Le Puy auf nach Nordspanien, um das Anfang des 9. Jahrhunderts entdeckte Apostelgrab des Heiligen Jakobus zu besuchen. Damit war er der erste namentlich bekannte, nicht-spanische Pilger. Wenn ihr als Pilger seinen Spuren folgt, haltet von Zeit zu Zeit ein und bedenkt, wie bequem wir es heute im Gegensatz zu ihm haben.

Startpunkt dieses Jakobsweges in Frankreich ist natürlich die Kathedrale von Le-Puy-en-Velay, die unserer Lieben Frau geweiht ist. Auch wenn ihr am liebsten gleich nach der Anreise lospilgern wollt, ist es die Stadt wert, einen ganzen Tag zu bleiben. Die Doppelkathedrale ist absolut sehenswert. Außerdem laden jeden Abend die französischen Jakobsfreunde zum gemütlichen Beisammensein und Gedankenaustausch ein.

Der Pilgerweg Via Podiensis in Frankreich startet in Le-Puy-en-Velay

Früh am nächsten Morgen, nach der Pilgermesse mit Pilgersegen in mehreren Sprachen, steigt ihr dann die Treppe hinunter, die euch direkt auf den Weg bringt. Dieser führt euch nun zuerst durch das Zentralmassiv Frankreichs mit seinen zum Teil steilen An- und Abstiegen. Danach wartet dann die Hochebene des Aubrac mit ihren weiten Ausblicken und rauer Herzlichkeit auf euch. Spätestens hier solltet ihr unbedingt Aligot probieren, eine traditionelle Pilgerspeise, die aus gekochten Kartoffeln mit viel Käse und Knoblauch zubereitet wird.

Der nächste Höhepunkt ist dann die Abtei von Conques, wo sich Mönche bereits seit Jahrhunderten liebevoll um die Pilger kümmern. Die zugehörige Stadt versprüht ihren mittelalterlichen Charme und entfaltet ihn vor allem abends, wenn die Tagesbesucher abgereist sind.

In Figeac müsst ihr euch dann entscheiden, ob ihr den direkten Weg durch das romantische Cele-Tal wählt oder einen kleinen und lohnenswerten Umweg zum Marienheiligtum Rocamadour macht. Über eine weitere Hochebene führt euch dann der französische Jakobsweg nach Cahors, bekannt durch seine mittelalterliche Brücke und seine Geschichte, die eng mit dem Schicksal der Katharer verbunden ist.

Moissac empfängt euch dann einige Tage später mit seiner erstaunlichen, romanischen Kathedrale und dem weltberühmten Kreuzgang. Kurze Zeit später erreicht ihr dann die liebliche Landschaft der Gascogne und könnt schon von Weitem die Pyrenäen, die den Übergang nach Spanien markieren, erkennen. Kurz vor diesen, im kleinen Ort Ostabat, vereinigt sich dann der Le-Puy-Weg mit den Wegen, die von Vezelay (Via Lemovicensis) und Paris (Via Turonensis) kommen. Damit führt nur noch ein einziger Weg nach Saint-Jean-Pied-de-Port, der letzten französischen Stadt vor der spanischen Grenze.

2. Der Jakobsweg Via Turonensis

Mit 1.000 Kilometern ist die Via Turonensis zwar der längste, aber auch technisch am wenigsten anspruchsvollste Weg. Die meiste Zeit verläuft er durchs Flachland und über sanfte Hügel. Euer Startpunkt ist der Tour Saint-Jacques (Jakobsturm) in Paris. Ursprünglich geht der Name „Via Turonensis“ allerdings auf die Stadt Tours zurück.

Die Via Turonensis startet am Tour Saint-Jacques in Paris

Höhepunkte der Via Turonensis sind mit Sicherheit die historischen Städte Orléans und Poitiers. Wie auch die Via Lemovicensis ist dieser Weg zwar gut markiert, aber sehr wenig begangen und spärlich mit pilgertypischen Unterkünften versorgt. Gute Französischkenntnisse und ein Pilgerbudget, das Übernachtungen in Hotels und Pensionen erlaubt, sind hier wichtig. Alternativ kann auch ein Zelt nützlich sein, in dem ihr auf Campingplätzen und manchmal Bauernhöfen übernachten könnt.

3. Der Jakobsweg Via Lemovicensis

Der 900 Kilometer lange französische Jakobsweg Via Lemovicensis, der in Vézelay startet, hat zwei Varianten. Außerdem müssen wir euch darauf hinweisen, dass die Pilgerunterkünfte ähnlich wie bei der Via Turonensis nicht ganz günstig sind. Außerdem benötigt ihr unterwegs wirklich gute Französischkenntnisse.

Unterwegs kommt ihr durch Vézelay. Dort werden die Reliquien von Maria Magdalena verehrt. Von hier aus führt die nördliche Variante der Via Lemovicensis über Bourges und die südliche Variante über Nevers. Beide Wege vereinigen sich dann in Gargilesse-Dampierre. Ab jetzt geht es weiter über Limoges, bekannt für seine Porzellanmanufaktur, nach Aquitanien, bekannt für seine frühgeschichtlichen Stätten. Weiter geht es über Bordeaux mit seinen leckeren Weinen nach Ostabat, wo sich drei der vier Wege vereinigen und von da gemeinsam über die Pyrenäen führen.

Beim Jakobsweg pilgert man über die Pyrenäen in Frankreich

4. Der Jakobsweg Via Tolosana

Dieser 750 Kilometer lange, auch als GR653 markierte Weg, startet in Arles im Süden Frankreichs. Seinen Namen aber trägt er wegen Toulouse – der größten Stadt, durch die er führt. Neben Jakobspilgern, die ihn in Ost-West-Richtung entlang laufen, wird er übrigens auch in die entgegengesetzte Richtung von Pilgern nach Rom genutzt.

Gleich zu Beginn des Pilgerwegs in Arles begegnet euch das erste Highlight: das Alyscamps, auch „die elysischen Felder“ genannt – ein spätrömischer Friedhof in Form einer schattigen Allee. Nach Arles erwartet euch nun die schöne Camargue mit ihren typischen Bauernhäusern. Mit etwas Glück könnt ihr auch die berühmten Camarguepferde und sogar Flamingos sehen.

Es folgt ein relativ flacher Abschnitt durch kleine Orte und Weiler der Provence nach Montpellier, der Geburtsstadt des Heiligen Rochus (neben Jakobus der wichtigste Pilgerheilige). Genießt es, denn ab jetzt ist der Weg bis Castres bergig und verlangt einiges an Kondition. Herausragend auf diesem Abschnitt ist Saint-Guilhem-de-Désert, ein mittelalterlicher Ort mit engen Gassen und Karmeliterkloster.

Von Castres bis Pau ist der Weg dann hügelig, bevor es über Toulouse, Auch und Pau in die Vorpyrenäen geht. Offiziell endet die Via Tolosana dann am Somportpass, der die Grenze zwischen Spanien und Frankreich markiert. Als aragonesischer Weg führt er dann bergab nach Jaca und weiter nach Puente la Reina, wo er sich endlich mit den drei anderen Wegen zum Jakobsweg vereinigt.

Pyrenäen auf dem Jakobsweg Via Tolosana in Frankreich

Selbstverständlich hat nicht jeder die Zeit, so lange unterwegs zu sein. Lasst euch aber von der Länge der französischen Jakobswege nicht abschrecken. Jeder kann auch in Teilstücken gelaufen werden und so kommt ihr dann Jahr für Jahr eurem Pilgerziel, Santiago de Compostela, ein Stück näher.

Übrigens: Die beste Reisezeit für alle vier Wege ist von Mai bis Oktober, da die Berge und Hochebenen im Winter meistens verschneit und viele Unterkünfte geschlossen sind.

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