Den Jakobsweg pilgern: Alternative Routen zum Camino Francés

Seit dem frühen Mittelalter pilgern Menschen auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Nordspanien, auf Wegen, die bis heute ganz Europa durchqueren. Der bekannteste ist sicher der Camino Francés, den auch Hape Kerkeling in seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ beschrieb. Wer allerdings denkt, dass dieses der einzige Weg ist, den man in Spanien auf dem Jakobsweg pilgern kann, verpasst eine ganze Menge! Hier folgt daher eine Übersicht der beliebtesten anderen Pilgerwege in Spanien, ihrer Besonderheiten und Schönheiten.


Alternative Pilgerrouten auf dem Jakobsweg

  1. Via de la Plata
  2. Camino Inglés
  3. Camino del Salvador und Camino Primitivo
  4. Camino Finisterra und Muxia

Frau auf dem Camino de Santiago, Jakobsweg, Spanien

Tipp: Alle diese Pilgerwege haben gemeinsam, dass sie gut mit den typischen gelben Pfeilen und Jakobsmuscheln markiert sind und dass es genug Unterkunftsmöglichkeiten in urigen Pilgerherbergen, Hotels, Pensionen und Privatunterkünften gibt.
Hinweis: Wenn ihr am Ende eures persönlichen Jakobsweges in Santiago das Ankunftszertifikat „Compostela“ erhalten möchtet, solltet ihr wissen, dass ihr dafür mindestens die letzten 100 Kilometer zu Fuß oder die letzten 200 Kilometer mit dem Fahrrad aus religiösen und / oder spirituellen Motiven gepilgert sein müsst.

1. Via de la Plata

Oft fälschlich mit „Silberweg“ übersetzt, startet dieser Jakobsweg im Süden Spaniens, in Sevilla, und verläuft 1.000 Kilometer nordwärts bis zum Grab des Apostels Jakobus in der Kathedrale von Santiago de Compostela in Galicien. Der Pfad durchquert die spanischen Regionen Andalusien, Extremadura, Kastilien und Galicien.

Theoretisch könnt ihr auf diesem Weg das ganze Jahr pilgern, allerdings sind die Sommermonate, zumindest im Südteil des Weges, für viele Menschen zu heiß und im Winter kann es regnerisch und kalt sein. Der Herbst verspricht angenehme Wandertemperaturen, aber die Erde ist vom heißen Sommer verbrannt und Brauntöne beherrschen die Landschaft. Die Plata, wie sie unter Pilgerfreunden oft liebevoll genannt wird, ist daher sicherlich im Frühling am schönsten. Die Mandel- und Orangenbäume blühen und Ostern mit den prunkvollen Prozessionen hat in Südspanien ein ganz besonderes Flair. Wenn ihr im März im andalusischen Sevilla startet, könnt ihr so nordwärts durch einen immerwährenden Frühling pilgern.

Der Name Plata kommt vom arabischen „Bal’latta“, was so viel wie „breiter, ausgebauter Weg“ bedeutet. Die Mauren, die für viele Jahrhunderte Südspanien besetzten, folgten mit ihr aber noch viel älteren Wegen, die schon die Römer auf ihren Handelsreisen benutzten und ausbauten. Wer nicht die Zeit hat, den ganzen Weg zu pilgern, kann an vielen Punkten in die Plata einsteigen und sich so seinen ganz persönlichen Pilgerweg gestalten. Orte auf dem Weg, die einfach zu erreichen sind, sind zum Beispiel: Salamanca, Zamora oder Ourense.

Cáparra-Bogen, Jakobswegs, Spanien

Der Cáparra-Bogen ist zum Symbol für diese Route auf dem Jakobsweg geworden.

Hier die Höhepunkte dieses längsten und nicht nur historisch faszinierenden, spanischen Pilgerweges:

  • Sevilla und Santiponce: In römischer Zeit als Hispalis und Italica bekannt geht die Geschichte dieser Orte und das Zeugnis ihrer Baudenkmäler bis in die vorgeschichtliche Zeit zurück. Es ist empfehlenswert, mindestens zwei Tage für die Besichtigung der andalusischen Hauptstadt Sevilla einzuplanen. Allein für den maurischen Königspalast, die Kathedrale und das alte jüdische Viertel braucht ihr mindestens einen ganzen Tag. Santiponce bezaubert dann mit seinem römischen Amphitheater und gut erhaltenen Mosaiken.
  • Mérida: Der Ursprung dieser Stadt liegt in einer von Kaiser Augustus (Ja, der aus der Weihnachtsgeschichte!) gegründeten Veteranensiedlung. Römische Ruinen prägen das Stadtbild. Das Museum für römische Kunst bringt euch die faszinierende Geschichte der Römer in Spanien näher. Auf dem Weg aus der Stadt führt die Plata dann an einem Aquädukt sowie am Stausee Proserpina vorbei, die ebenfalls auf die Römer zurückgehen.
  • Cáceres: Maurische Stadtmauern umschließen die von gotischen und Renaissance-Gebäuden beherrschte Altstadt, aber die wirkliche Attraktion sind die unzähligen Störche, die hier auf den Dächern nisten und Cáceres zur inoffiziellen Storchenhauptstadt Spaniens machen.
  • Cáparra: Der römische Bogen von Cáparra, durch den die Plata hindurchführt, ist zum Symbol dieses Weges geworden. Gut erhaltene Ruinen und ein exzellent gestaltetes Informationszentrum erlauben euch und anderen Besuchern eine schattige und lehrreiche Rast.
  • Salamanca: Eine der ältesten Universitäten der Welt und der vielleicht schönste Hauptplatz Spaniens verleihen dieser kastilischen Stadt eine ganz besondere und junggebliebene Atmosphäre.
  • Santa Marta de Tera: An der Kirche befindet sich die älteste bekannte Figur, die Jakobus als Pilger zeigt. Besonderheit: Jährlich zur Tag- und Nachtgleiche beleuchtet ein Sonnenstrahl ein Relief der Verkündigung im Inneren der Kirche.
  • Ourense: Die hiesigen Thermalquellen haben schon seit Jahrhunderten müden Pilgern wieder auf die Beine geholfen.

2. Camino Inglés

Der „Englische Weg“ erhielt seinen Namen wegen der englischen und irischen Pilger, die hier mit dem Schiff ankamen und dann zu Fuß nach Santiago pilgerten. Von Ferrol nach Santiago sind es 110 Kilometer – also weit genug, um sich für die Compostela zu qualifizieren. Der Weg, der durch eine liebliche Hügellandschaft führt, kann in weniger als einer Woche zurückgelegt werden. Ideal für Pilger, die wenig Zeit haben und / oder einmal Pilgerluft schnuppern möchten, bevor eine längere Pilgerreise geplant wird. Dieser Jakobsweg kann ganzjährig gegangen werden, allerdings muss während der kühlen Winter mit Regen gerechnet werden.

Den Jakobsweg pilgern auf dem Camino Inglés

Die Pilgerwege Richtung Santiago de Compostela sind mit diesen Muschelsymbolen markiert.

3. Camino del Salvador und Primitivo

Ein altes spanisches Sprichwort sagt „Wer nach Santiago geht, aber nicht zum Erlöser, besucht den Diener und vergisst den Herrn“. Es bezieht sich auf die Reliquiensammlung in der Kathedrale Oviedos, die im Mittelalter zu einer der wichtigsten der damals bekannten Welt gehörte und unter anderem ein Stück des Kreuzes Jesu enthielt. Diese beiden oft kombinierten Jakobswege Camino del Salvador und Camino Primitivo gehören zu den schönsten, aber auch anspruchsvollsten Pilgerwegen in Spanien.

Der Camino del Salvador (Weg des Erlösers) startet in der kastilischen Stadt León und verläuft 130 Kilometer durch die Berge nach Oviedo. Von hier führt dann der Camino Primitivo (ursprünglicher Weg) 270 Kilometer weiter nach Lugo und Palas del Rei, wo er kurz vor Santiago in den Camino Francés einmündet. Der letztere ist tatsächlich der erste bekannte Pilgerweg nach Santiago, da sich König Alfonso der Keusche von Oviedo zum gerade entdeckten Apostelgrab auf den Weg machte.

Beide Wege zeichnen sich durch große, landschaftliche Schönheit aus, erfordern aber wegen der teils langen Etappen und der ständigen Auf- und Abstiege doch einiges an Kondition. Es handelt sich hier zum großen Teil um einen Höhenpilgerweg, weshalb er im Winter nur von sehr erfahrenen Pilgern, die sich mit Eis und Schnee gut auskennen, begangen werden sollte. Die ideale Pilgerzeit für alle anderen ist für beide Wege von Mai bis September.

Die Hauptattraktionen auf einer Pilgerreise über diese Jakobswege sind:

  • León: Mehr als 2.000 m² farbige Kirchenfenster füllen die gotische Kathedrale mit einem fast magischen Licht.
  • Oviedo: Verpasst nicht einen Besuch der Camara Santa, der „Heiligen Kammer“, in der Kathedrale. Die hier gezeigten Reliquienschreine stellen einen Höhepunkt kirchlichen Kunsthandwerks dar.
  • Lugo: Die römische Stadtmauer, die die Altstadt vollständig umschließt, machte Lugo zum Weltkulturerbe der Menschheit und ihr könnt auf ihr einmal um die City herumgehen. Ein Spaziergang, der besonders während des Sonnenuntergangs einfach nur bezaubernd ist.
Kathedrale von Oviedo eine Attraktion auf dem Jakobsweg

Die Kathedrale von Oviedo.

4. Camino Finisterre und Muxia

Viele Pilger haben nach der Ankunft in Santiao noch nicht genug und setzen ihre Reise zum Ende der Welt („Finisterre“) und zum Marienwallfahrtsort Muxia fort. Aber auch als Kurzpilgerreise eignet sich dieser Weg ganz ausgezeichnet. Wenn ihr also für die Compostela die mindestens 100 Kilometer hinter euch bringen wollt, müsst ihr entweder in Finisterre oder Muxia zu starten und dann über den jeweils anderen Ort nach Santiago pilgern. Auf diese Weise kommt ihr auf jeweils etwa 120 Kilometer. Die beiden möglichen Varianten sind dann also Finisterre > Muxia > Santiago und Muxia > Finisterre > Santiago. Beide Orte stellen übrigens auch ihre eigene Ankunftsurkunde aus.

Wenn ihr dagegen von einem der anderen Pilgerwege in Santiago ankommt, könnt ihr einfach von der Kathedrale weiter Richtung Küste laufen. Wie auch der Camino Inglés kann dieser Weg ganzjährig begangen werden, allerdings müsst ihr im Winter mit kaltem Regen rechnen.

Kap Finisterre auf dem Camino Finisterre, Jakobsweg

Kap Finisterre: Das Ende der Welt kann doch so schön sein.

Finisterre galt lange als das Ende der bekannten Welt. Aber als Pilger wissen wir, das der eigentliche Weg nach der Ankunft am Ziel anfängt. Als Pilger erfahren wir, wie wenig wir wirklich brauchen und wie schön die einfachsten Dinge sind. Diese Lebenserfahrungen können dann im Alltag zu Hause zur Entschleunigung beitragen und das Leben reicher machen.

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