Grachten in Amsterdam: Die besten Tipps

Wenn man „Niederlande“ hört, denkt man sofort an Tulpen, Käse, Windmühlen, Fußballer mit orangenen Trikots – und natürlich an Amsterdam. Die quirlige Hauptstadt unseres Nachbarlandes ist auch dank seiner Grachten ein riesiges Freiluftmuseum. Kommt mit uns auf einen Rundgang durch das Herz der Stadt und erfahrt alle wissenswerte Infos und spannende Fakten über die Grachten in Amsterdam. Freut euch auf einen unvergleichlichen und faszinierenden Mix, der Amsterdam zu einer der spannendsten Städte des Kontinents macht.


Inhaltsverzeichnis:


Es kommt nicht von ungefähr, dass die Amsterdamer Grachten der Stadt den Spitznamen „Venedig des Nordens“ verpassten. Halbmondförmig durchziehen die Kanäle das Zentrum Amsterdams. Entlang der Grachten wurden zahlreiche historische Bauten errichtet. Typisch sind auch die kleinen, schmalen Wohnhäuschen und die Hausboote. Wenn ihr durch die Grachten von Amsterdam lauft, werdet ihr bestimmt schnell verstehen, warum das gesamte Kanalsystem seit 2010 UNESCO-Welterbe ist.

Gracht in Amsterdam mit Hausbooten

Warum hat Amsterdam Grachten?

Im 17. Jahrhundert war Amsterdam das Zentrum einer florierenden Wirtschaftsmacht, was dazu führte, dass immer mehr Waren über den Wasserweg in die Stadt gebracht wurden – das bestehende kleine Kanalsystem wurde erweitert und die Grachten waren geboren. Das war aber nicht der einzige Grund!

Um Amsterdam überhaupt gründen und erbauen zu können, musste man seinerzeit ein großes Moor- und Sumpfgebiet trockenlegen und die Häuser in der Folge auf in den Boden gerammten Pfählen errichten. Da auf diesem morastigen Untergrund eine vernünftige Entwässerung der Stadt nicht möglich war, baute man die allerersten Kanäle. Diese waren somit nichts weiter als ein Abwassersystem und verkamen dementsprechend schnell zu offenen, stinkenden Kloaken.

Abhilfe schafften zu dieser Zeit nur die Gezeiten der nahen Nordsee, die das Ekel-Wasser mehr schlecht als recht aus dem Stadtgebiet spülten. Erst Ende des 17. Jahrhunderts löste ein modernes Schleusensystem dieses Problem. Findet ihr es nicht auch ziemlich ironisch, dass aus Abwasserkanälen eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Welt entstanden ist? Wie das Leben spielt …

Wie viele Grachten hat Amsterdam?

Ihr werdet bestimmt schon vom Grachtengürtel gehört haben, der die vier größten, wichtigsten und bekanntesten Kanäle zusammenfassend beschreibt. Zu diesen später mehr, denn das Amsterdamer Grachtensystem ist noch größer – sehr viel größer!

Amsterdam verfügt insgesamt über 200 Kanäle, die auf einer Gesamtlänge von mehr als 80 Kilometern befahrbar sind. Bei diesen Zahlen dürfte es euch nicht überraschen, dass die Grachten von insgesamt 1.400 Brücken überspannt werden. Auch in den Niederlanden vermeidet man es, auf dem Weg zur Arbeit nass zu werden …

Innerhalb dieses riesigen Grachtensystems gibt es etliche Wassergräben (Weteringen), die in früheren Zeiten als Stadt- oder Burggraben zur Verteidigung errichtet wurden. Bauliche Elemente wie Kais (Kaden), Schleusen (Sluizen) und Dämme (Waterkeringen) sorgen für einen geordneten Wasserlauf.

Grachten- und Kanalsystem in Amsterdam

Ihr seht also, dass die Grachten Amsterdams ein hochkomplexes System sind, das keinesfalls nur auf den Grachtengürtel reduziert werden sollte. Wobei dieser natürlich nicht ohne Grund so bedeutend ist.

Die fantastischen Vier: Amsterdams Grachtengürtel

Die vier berühmten Grachten Amsterdams verlaufen südlich der historischen Altstadt, wo sich auch das weltbekannte Vergnügungs- und Rotlichtviertel De Wallen befindet. Die Prinsen-, Keizers- und Herengracht und der mittelalterliche Festungsgraben Singel haben zusammen eine Länge von 10 Kilometern und eine durchschnittliche Wassertiefe von 2,40 Metern. Hier saugt ihr das einmalige Flair Amsterdams auf und entdeckt sehr viel Sehenswertes.

Wo welche Gracht liegt und welche Attraktionen sich in unmittelbarer Nähe entdecken, zeigen wir euch auch hier in der Karte:

Karte Grachten in Amsterdam mit Sehenswürdigkeiten

Prinsengracht

Das sind die Sehenswürdigkeiten in Amsterdam, die euch bei der Prinsengracht begegnen. Vor allem wenn ihr auf der Suche nach „versteckten Schätzen“ seid, bietet sich ein ausgedehnter Spaziergang entlang der Prinsengracht an.

In Sachen architektonischem Reichtum übertrifft dieser Kanal die anderen Grachten in Amsterdam ein wenig. Links und rechts der Prinsengracht verzaubern euch unzählige Bauwerke und Häuser mit verschiedensten Architekturstilen. An der Ecke zur Brouwersgracht fasziniert beispielsweise ein altes Backsteingebäude mit urigen Treppengiebeln am Dach (Prinsengracht 2-3).

Sehenswert ist auch das Reihenhaus mit dem klangvollen Namen „der rote Fuchs“, das über einen glockenförmiges Dach verfügt (Prinsengracht 300). Und dass sich die Niederländer stets neu erfinden können, beweist ein Wohnhaus im Barockstil aus dem Jahre 1720 – dieses ist seit Ende der 90er-Jahre ein Wohnhaus mit 24 Wohnungen (Prinsengracht 299).

Anne-Frank-Haus

Das Anne Frank Huis ist wohl das bekannteste Gebäude der Niederlande und bei einer Amsterdam-Reise absolutes Pflichtprogramm. Hier werdet ihr euch mit der tragischen Geschichte von Anne Frank befassen, die aus Nazideutschland floh und sich gemeinsam mit ihrer Familie in eben jenem Haus versteckte. Diese schrecklichen Erlebnisse hielt sie in ihrem Tagebuch fest, das als „Tagebuch der Anne Frank“ weltberühmt wurde.

Letztlich wurden Anne und ihre Familie verraten und von den Nazis, die Amsterdam besetzt hatten, deportiert. Im Alter von 15 Jahren starb das Mädchen nur wenige Wochen vor Kriegsende in einem deutschen KZ.

Heute ist das Haus ein Museum, das aufs Eindrücklichste an die Schrecken der NS-Herrschaft erinnert. Im Inneren könnt ihr noch einige persönliche Gegenstände von Anne Frank anschauen. Besonders berührend ist das Bücherregal, das damals den Zugang zum Versteck der Familie Frank verbarg.

Anne Frank Haus an der Prinsengracht in Amsterdam

Ihr erreicht das Anne-Frank-Haus im nördlichen Teil der Prinsengracht entweder zu Fuß (von Amsterdams Hauptplatz Dam braucht ihr 10 Minuten) oder mit der Straßenbahn (Station Westermarkt).

Unser Tipp: Da das Anne-Frank-Haus wegen seiner historischen Bedeutung einer der Touristenmagnete Amsterdams ist, müsst ihr mit mehrstündigen Wartezeiten rechnen. Diese könnt ihr umgehen, indem ihr einfach vorab im Internet ein Ticket für das Museum bucht.

Westerkerk

Nicht einmal 100 Meter südlich vom Anne-Frank-Haus bewundert ihr mit der Westerkerk eine weitere Sehenswürdigkeit an der Prinsengracht. Die protestantische Kirche ist vor allem für ihren markanten Westturm bekannt, der für viele berühmter ist als die Kirche selbst. Bei Einheimischen trägt er die ironischen Spitznamen „Langer Jan“ und „Der alte Wester“.

Westerkerk an der Prinsengracht in Amsterdam

Vor allem der erste Name kommt nicht von ungefähr, da der Turm mit einer Höhe von 85 Metern der höchste Kirchturm Amsterdams ist. Imposant ist vor allem die Kirchturmspitze, die pompös verziert ist und die Form einer riesigen Kaiserkrone hat. Hinzu kommen Farbakzente in Blau und Rot sowie goldene Säulen. Spätestens jetzt werdet ihr verstehen können, warum die Kirche unter Denkmalschutz steht.

Unser Tipp: Wenn ihr über die Brücke geht, könnt ihr von der anderen Uferseite ein tolles Erinnerungsfoto von der Westerkerk schießen und habt dabei noch die Gracht mit im Bild.

Ihr seht schon: An der Prinsengracht könnt ihr wahrscheinlich euren ganzen Aufenthalt verbringen. Aber es gibt ja noch mehr Grachten in Amsterdam.

Heren-, Keizersgracht und Singel

Auch entlang der drei anderen Grachten des Amsterdamer Grachtengürtels gibt es natürlich einiges zu entdecken. Die Keizersgracht ist die mittlere der drei Hauptgrachten und die breiteste. Kurz vor der Brouwersgracht befindet sich mit dem Huis met de Hoofden ein beeindruckendes Bauwerk, das zu den bekanntesten des gesamten Landes zählt. Das pyramidenartig zulaufende Backsteinhaus ist neben weißen Säulen auch mit Ornamenten geschmückt, die die Gesichter römischer Gottheiten zeigen und namensgebend für das „Haus mit den Köpfen“ waren.

In der Herengracht ist eines der bedeutendsten Baudenkmäler der Amsterdamer Grachten zuhause: Der Gouden Bocht („Goldener Bogen“) entstand während des Goldenen Zeitalters der Niederlande, als reiche Kaufleute und wichtige Bürger entlang der Herengracht barocke Stadtpaläste erbauen ließen. Heute könnte es sich kaum jemand leisten hier zu wohnen, sodass der Goldene Bogen als prestigeträchtiger Niederlassungsplatz für viele Banken, Versicherungen und Kanzleien fungiert.

Ein weiteres herausragendes Gebäude der Herengracht ist das Huis Bartolotti, das sich direkt am nördlichsten „Knick“ des Kanals befindet und mit seiner mit Ornamenten verzierten Außenfassade verzaubert. Das Bauwerk ist heute ein Museum, das ihr besuchen könnt. Im Inneren werdet ihr angesichts der pompösen Möbel und riesigen Wohnhallen feststellen, dass es die reichen Händler damals nicht wirklich schlecht hatten. Die Preise sind mit 8 Euro für Erwachsene und 5 Euro für Kinder übrigens auch recht human.

Der innerste Kanal des Amsterdamer Grachtengürtel ist der Singel. Von hier aus seid ihr binnen Minuten in der Altstadt von Amsterdam und somit bei Sehenswürdigkeiten wie dem Königlichen Palast, dem Nationalmonument oder der Neuen Kirche.

Vom Singel aus habt ihr es auch nicht weit ins pulsierende Vergnügungsviertel De Wallen. Hier gibt es neben leicht bekleideten Damen im Schaufenster und einschlägigen Shops übrigens auch historische Sehenswürdigkeiten wie das alte Stadttor De Waag oder die Alte Kirche zu sehen. Direkt am Singel selbst solltet ihr auf jeden Fall die Kirche De Krijtberg besuchen, die mit ihrem neogotischen Baustil und den beiden langen Turmspitzen mittelalterlichen Charme versprüht.

De Krijtberg Kirche an der Herengracht in Amsterdam

Ein kurioses Highlight findet ihr an der Adresse Singel 166, wo ihr feststellen werdet, dass das „Schmalste Haus der Welt“ seinen Namen nicht umsonst trägt.

Fotospots im Grachtengürtel

Klar, wenn man in einer der facettenreichsten Städte Europas ist, will man das auch auf Social-Media teilen… Und selbst wenn ihr Posting-Muffel seid, werdet ihr aus Amsterdam bestimmt einmalige Erinnerungsfotos mit in die Heimat nehmen wollen. Generell kann man sagen, dass die Grachten in Amsterdam ein einziger großer Fotospot sind – kaum verwunderlich bei dem traumhaften Zusammenspiel von markanter Architektur, historischem Flair und Wasser.

Besonders schön sind die Grachten im Frühling, wenn an sämtlichen Brücken Blumenkübel angebracht werden, die in allen Farben erstrahlen. Steht daneben noch eines der typischen „Holland-Fahrräder“ habt ihr eigentlich schon das perfekte Postkartenmotiv. Bei Nacht und in der dunklen Jahreszeit verströmen die Amsterdamer Grachten ein fast schon mystisches Flair.

Amsterdam in den Niederlanden

Ein tolles Fotomotiv ist dann vor allem die Magere Brug. Die Brücke ist eine der letzten noch erhaltenen Klappbrücken aus Holz und führt am südlichen Ende des Grachtengürtels zwischen der Kaisers- und Prinsengracht über die Amstel. Nachts wird die Brücke sehr dezent beleuchtet und erzeugt so eine romantische Atmosphäre, die sie zum perfekten Fotospot für Paare macht.

Wenn ihr von der Mageren Brug nur ein paar hundert Meter gen Nord-Westen geht, findet ihr an der Ecke Reguliersgracht-Herengracht schon den nächsten Ort, der sowohl im Hellen als auch Dunkeln für Fotos wie geschaffen ist. Hier steht ihr auf einer Brücke, von der aus ihr 15 (!) andere kleine Bogenbrücken sehen könnt. Diese werden in der Nacht mit rötlichem Licht beleuchtet, was im Zusammenspiel mit der Wasserspiegelung jenes erotisch-verruchte Flair erzeugt, für das Amsterdam auch berühmt ist.

Die Grachten in Amsterdam mit dem Boot entdecken

Ihr habt weiter oben ja schon gelesen, dass das Ausmaß des Grachtensystems recht groß ist. Natürlich müsst ihr alle die faszinierenden Orte innerhalb der Grachten von Amsterdam nicht zur Fuß entdecken, denn ein Kanalsystem ist für Bootstouren natürlich prädestiniert. Dementsprechend werdet ihr entlang der Grachten etliche Anbieter finden, die euch zu jeder Tageszeit auf kleinere und größere Touren mitnehmen. Von den Kapitänen (die meistens sehr gut Deutsch sprechen) erfahrt ihr dann interessante Fakten, Kurioses und Wissenswertes über die Geschichte von Amsterdam seiner Grachten.

Bootstour über die Grachten in Amsterdam

Die Preise für eine „normale“ Fahrt liegen bei circa 15 Euro, Kombitickets mit Eintritt zu Sehenswürdigkeiten oder Aktionsfahrten (mit Bierboot etc.) kosten mehr.

Grachten-Museum

Ihr könnt euch der Faszination von Amsterdams Grachten nicht entziehen und kriegt gar nicht genug davon? Dann haben wir gute Nachrichten: Ziemlich genau in der Mitte der Herengracht gibt es seit 2011 das Museum Het Grachtenhuis. Das Museum nimmt euch mit auf eine digitale Entdeckungsreise durch die Geschichte. Mittels Animationen und 3D-Darstellung erfahrt ihr so mehr über die Geschichte der Amsterdamer Grachten von ihrer Entwicklung über den Bau bis heute.

Der Eintrittspreis für Erwachsene beträgt ca. 15 Euro (für Kinder bis zwölf 7,50 Euro).

Hotels in Amsterdam

Wenn man einen Städtetrip macht, ist die Wahl des Hotels natürlich wichtig. Schließlich will man seine wertvolle Zeit nicht mit ewig langen Wegen vergeuden. In Amsterdam gibt es innerhalb des Grachtengürtels recht wenige Hotels, dafür aber sehr viele direkt am Rand. Solch eine gute Lage hat beispielsweise das charmante und stilvoll eingerichtete Catalonia Hotel Vondel, das seinen Namen vom idyllischen und direkt angrenzenden Vondelpark hat. Von hier aus braucht ihr zu Fuß nicht einmal zehn Minuten zur Prinsengracht.

Eine ähnlich gute Lage hat das Hotel van de Vijsel, das dank seiner rustikalen Bauweise und der warmen Einrichtung niederländisches Flair vom Feinsten verströmt.

Amsterdam und seine Grachten sind wirklich einzigartig und definitiv eine tolle Destination für ein langes Wochenende oder auch länger. Mit diesem Beitrag habt ihr einen ersten Überblick über die Sehenswürdigkeiten. Wir wünschen euch heute schon viel Spaß in dieser wunderschönen Stadt.

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