Die Bucht von Kotor: Das südlichste Fjord Europas

Die Bucht von Kotor in Montenegro wird nicht umsonst als der „südlichste Fjord Europas“ bezeichnet. Eine einmalige Landschaft, UNESCO-Welterbestätten, tolle Trekkingrouten und atemberaubende Ausblicke gibt es dort auf engstem Raum. Alle Details über die Bucht von Kotor gibt’s jetzt.

Bucht von Kotor

Bucht von Kotor: „Schwarze Berge“ und ein unvergleichliches Naturerlebnis

Die fast 30 Kilometer lange Bucht von Kotor wird von fast 1.900 Meter hohen Bergen eingefasst. Der Fjord bildet einen perfekten natürlichen Hafen. Die schmalste Stelle ist nur 330 Meter breit. So war die Stadt Kotor, die bereits unter den Illyrern und später unter den Römern eine Blütezeit erlebte, theoretisch sehr gut vor angreifenden Feinden zu verteidigen. Dennoch wechselte in der über 2.000-jährigen Geschichte der Besiedlung der Bucht die Herrschaft stetig: Griechen, Illyrer, Römer, Slawen, Türken, Venezianer, Habsburger, Engländer und die Partisanen Titos hinterließen hier ihre Spuren. Und die sind teilweise heute noch zu sehen, ob in den Städten und Dörfern in der Gegend selbst oder in Ausgrabungsstätten sowie historischen Anlagen.

So gelangt ihr am besten nach Kotor, dem Herz der Bucht

Am besten erreicht ihr die Bucht von Kotor über die Flughäfen in Dubrovnik (Kroatien) und Podgorica. Von der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica aus führt der Weg über die historische Kapitale Cetinje und den Nationalpark Lovćen. Reist ihr von Kroatien aus an, erreicht ihr Montenegro bei Herceg Novi. Der seeseitige Zugang zur Bucht wird von einer – heute kroatischen – Festungsanlage bewacht. Auf der Straße ist Herceg Novi das Tor nach Montenegro und in die Bucht von Kotor.

Zwischenstopp in Herceg Novi


Das terrassenförmig angelegte Herceg Novi ist touristisch geprägt. Hinter dem langen Strand finden sich Restaurants, Verkaufsbuden und das übliche geschäftige Treiben. Bekannt ist die Stadt auch wegen der Kurmöglichkeiten (leicht radioaktiver Schlamm) und für Wasserball. Der ortsansässige Klub spielt auf hohem europäischem Niveau.


Für Cineasten hat die Stadt ein besonderes Schmankerl zu bieten: Der weltbekannte Regisseur Emir Kusturica betreibt im alten Bahnhof das Kulturzentrum Zhalo mit angeschlossenem Kino. Herceg Novi ist auch Ausgangspunkt für eine Bootstour zum Naturspektakel Blaue Grotte. Achtet beim Buchen darauf, dass der Kapitän genug Zeit zum Schwimmen in der Grotte einplant.


Blick auf Herceg Novi

Von Herceg Novi aus führt die einzige Straßenverbindung zwischen dem Wasser der Bucht von Kotor und den steilen Bergflanken über Risan und Perast nach Kotor. Wenn ihr den Weg an der inneren Bucht entlang abkürzen wollt, dann nehmt hinter Bijela die Fähre.

Zwischenstopp in Perast


Perast war lange ein regional wichtiges Schiffsbauzentrum mit einer bedeutenden Werft. Die Stadt glänzt mit sechzehn alten Villen, die meisten davon im venezianischen Stil. Sie wurden von hier angesiedelten Kapitänen erbaut. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die zahlreichen Kirchen und die Wehrtürme, die vor allem als Schutz vor osmanischen Invasoren angelegt wurden.


Zur Ortschaft Perast gehören zwei Inseln. Die Insel Sankt Georg beheimatet ein Benediktinerkloster und diente früher als Friedhof für den Adel. Die andere, unbewohnte Insel wurde künstlich  um einen alten Schiffsfriedhof herum aufgeschüttet. Über zweihundert Jahre lang schleppten die Bewohner von Perast Steine auf die entstehende Insel und krönten ihre Arbeit schließlich mit dem Bau einer Kirche, die der Jungfrau Maria gewidmet ist.


Die Kirche Marija Bistrica in Perast

Die ursprünglich griechische Siedlung Risan, die älteste Siedlung in der Bucht von Kotor, ist schön an den Kalksteinhängen des Orjen-Gebirges gelegen. Von hier führt ein schmales Sträßchen auf die Passhöhe. Es braucht schon etwas fahrerisches Können, um die Strecke zu bewältigen. Oben seid ihr nicht nur auf 1.600 Höhenmetern, sondern gefühlt eine Ewigkeit von den Zentren des Landes entfernt. Wer also das originale, naturbelassene Montenegro erleben will, ist im Grenzland zur Herzegovina richtig.

Kotor vereint Geschichte mit Mittelmeerflair

In Kotor solltet ihr euch etwas Zeit nehmen, um richtig anzukommen. Und es lohnt sich: Die Stadt wurde 1979 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Kotor ist von einer langen Stadtmauer umgeben, die sich steil den Hang hinaufzieht und weit mehr Gelände umfasst als das alte städtische Zentrum.

Architektonisches Highlight ist die romanische Sankt-Tryphon-Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert. Aus der gleichen Zeit stammt die St.-Lukaskirche, die mittlerweile der orthodoxen Kirche ein spirituelles Zentrum gibt. Außerdem haben die Venezianer einige Paläste hinterlassen. Über der Stadt wacht die Festung Sveti Ivan. Der Weg führt über zahlreiche Treppen den Berghang hinauf.

In den engen Gassen der Altstadt bietet Kotor typisches Mittelmeerflair. Die Stadt verfügt über Anlegestellen für große Kreuzfahrtschiffe, weswegen es tagsüber in den Gassen recht eng werden kann. Am Abend bieten die Restaurants, Bars und Cafés aber genügend Platz für gutes Essen und geselliges Beisammensein bei einem Glas Wein und Livemusik.

Sightseeing in Kotor

Die schönsten Ausflüge ab der Bucht von Kotor

Den besten Blick über die Bucht und über die Stadt Kotor gibt es von der Passhöhe in Richtung Lovćen-Nationalpark (bis 1.749 Meter). Das Karstgebirge des Nationalparks in den Dinarischen Alpen ist Heimat seltener Pflanzen und Tiere.

Auf einem Gipfel befindet sich das 1974 eröffnete, im Stil des sozialistischen Realismus gestaltete Njegoš-Mausoleum. Petar II. Petrović-Njegoš war im 19. Jahrhundert Fürstbischof von Montenegro und ist in seiner Eigenschaft als Dichter bedeutender Teil des montenegrinischen kulturellen Selbstbildes.

Das Njegos Mausoleum im Lovcen Nationalpark ist ein tolles Ausflugsziel ab der Bucht von Kotor

In Montenegro liegt übrigens auch einer der schönsten Nationalparks Europas – welcher das ist, verraten wir euch hier!

Vom Nationalpark aus erreicht ihr nach kurzer Fahrt die ehemalige montenegrinische Hauptstadt Cetinje. Hier könnt ihr das Petrović-Njegoš-Museum besichtigen, das Leben und Werk des bekanntesten Montenegriners nachstellt.

Die historischen Gebäude stammen noch aus der vergangenen Hauptstadtzeit von 1878 (als Montenegro auf dem Berliner Kongress als unabhängiger Staat anerkannt wurde) und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Sie beherbergten einst die Botschaften der damaligen Großmächte. Besonders sehenswert ist das Gebäude der ehemaligen russischen Botschaft.

Heute ist Cetinje offizieller Sitz des montenegrinischen Staatspräsidenten. Er residiert im sogenannten „Blauen Palast“. Die Stadt besticht vor allem durch junges Publikum und die entspannte Atmosphäre, die sich in etlichen Straßencafés genießen lässt.

Strandurlaub an der Bucht von Kotor

Seit der Eröffnung des Straßentunnels von Kotor in Richtung offenes Meer sind die Strände der Adria schnell zu erreichen. Wenn ihr allerdings eine gut ausgebaute Infrastruktur wollt, also Restaurants, Flaniermeilen und Strandpromenaden, dann fahrt ihr zum Baden am besten nach Budva.

Der Strand von Budva

Die Stadt wurde 1979 bei einem Erdbeben völlig zerstört, aber original wiedergebaut. Ursprünglich war Budva eine Insel, die aber mittlerweile über eine Sandbank mit dem Festland verbunden ist. Die Alstadt ist von einer imposanten Stadtmauer umgeben. Zudem bewachen zwei Festungen ihre Bewohner, welche die Habsburger im 19. Jahrhundert an ihrem südlichsten Brückenkopf anlegten.

In Budva gibt es kilometerlange Sandstrände mit Strandbars und entsprechendem Rummel, aber auch weniger frequentierte Felsenbuchten. Besonders beeindruckend: die Strände der vorgelagerten Insel Sveti Nikola. Wer wirklich eine geübte Wasserratte ist, kann mal eben rüberschwimmen – ansonsten könnt ihr einfach per Boot rübersetzen.

Die Abenteurer unter euch wagen sich zu den kleineren Adria-Stränden zwischen Budva und Bigova, die oft nur über halsbrecherische Schotterpisten und steile Serpentinen zu erreichen sind. Aber es lohnt sich. Ihr seid hier vorwiegend unter Einheimischen. Die Infrastruktur dieser Strände wirkt oft improvisiert und spartanisch, dafür aber authentisch. Meist gibt es eine Bar und ein kleines Restaurant, in denen frisch gefangener Fisch serviert wird. Also: alles angerichtet für den perfekten Sommerurlaub.

Teile diesen Beitrag!

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.