Auf geht’s auf d’Wiesn – eine Expedition auf das größte Volksfest der Welt in vier Teilen. Heute: Und ewig lockt das Bier.

Nur noch ein paar Tage, dann ist die Wiesn auch schon wieder vorbei – und wir haben noch gar nicht über das Bier gesprochen. Dabei ist das natürlich das Wichtigste auf der Wiesn. Schließlich sind wir hier in Bayern und der Bayer als solcher ist stolz auf sein Bier. Zurecht, wie wir finden! Wobei da dann auch viel übertriebener Stolz dabei ist: Wir Münchner feiern zum Beispiel unser Reinheitsgebot als die größte Innovation in der Geschichte der Menschheit; blöd nur, dass das Weimaraner Reinheitsgebot älter ist – und auch dieses hatte schon Vorgänger, selbst im alten Ägypten. Aber sei’s drum: Das Münchner Bier schmeckt, wie eben nur das Münchner Bier schmeckt, und das Wiesn-Bier ist da dann die Spitze der Sinnesfreuden!

 

Helden der Sonne

A propos Spitze: hoch hinaus wollen auch Dennis und Merle bei ihrer wilden Achterbahnfahrt. Im Wiesn-Quiz wird’s allerdings eng für Merle. Wie sich ihre Wettschulden in ein kühles Blondes verwandeln, und was die beiden sonnenklar-Redakteure im Zelt erleben, seht Ihr im dritten Teil von „Helden der Sonne“ auf dem Oktoberfest:

 

 

 

Die richtige Maßeinheit für Münchner Bier ist übrigens die Mass. Gesprochen wird die Mass wie die Masse, nicht etwa wie das Maßband, also mit kurzem „a“. Die Mass fasste früher, als Bayern noch eigenständig war, etwas mehr als einen Liter, dann gründete man das Deutsche Reich – und seither soll die Mass genau einem Liter entsprechen. Das tut sie manchmal sogar. Doch öfters ist in so einer Mass weniger als ein Liter, das liegt an der Hektik im Ausschank, wo ja alles sehr schnell gehen muss, damit die durstigen Kehlen im Zelt nicht völlig ausdörren. Und das liegt, so hört man es raunen, an der Geschäftstüchtigkeit so manchen Wirtes.

 

Augustiner Wagen Oktoberfest München

Aus solchen Fässern kommt das Bier leider nur noch selten.

 

Denn die Mass kommt nicht aus der Flasche ins Glas, sondern aus dem Fass (traditionell, leider nur noch in den Augustiner Zelten) oder der Zapfanlage (neumodischer Kram, dem inzwischen die anderen fünf Münchner Brauereien verfallen sind). Da kann es dann zu Ungenauigkeiten in der Dosierung kommen – mögen sie nun absichtlich sein oder nicht. Es gibt da eine nicht bestätigte Geschichte, ein Münchner Wirt habe seine Schankkellner angewiesen, aus einem Hirschen (das ist ein 200-Liter-Fass) mindestens 220 Mass auszuschenken. Wenn’s stimmt, so ist das sehr geschäftstüchtig, aber wenig kundenfreundlich gedacht. Doch damit sich derlei nicht allzu oft begibt, gibt es inzwischen sogar einen Verein, der die korrekte Füllhöhe der Mass in den Bierzelten kontrolliert.

 

Fischer-Vroni Oktoberfest München

Ein Schild, das nur noch die Fischer Vroni und das Augustiner ziert.

 

Aber unter uns gesagt: Vielleicht ist es gar nicht mal so schlecht, wenn die Mass nicht ganz voll eingeschenkt wird. Denn das Wiesn-Bier ist ein spezielles Bier, weshalb es stärker ist als das normale Münchner Bier. Erstaunlich viel stärker, betrachtet man die deutlich größere Wirkung, die von dem einen Prozent mehr Alkohol allein eigentlich nicht herrühren kann. Wenn ihr also im Festzelt sitzt und euch beklagt, wie schlecht das Bier eingeschenkt ist, dann verhaltet ihr euch erstens wie ein echter Münchner, zweitens aber könnt ihr froh sein, dass ihr so vielleicht eine Mass länger durchhaltet – denn am nächsten Tag klingen fünf schlecht eingeschenkte Mass beeindruckender als vier gut eingeschenkte. Ihr müsst ja nicht erwähnen, wie präzise die Schankkellner gearbeitet haben. 😉

 

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