Pharaonisches Erbe und Kolonialcharme: Ägypten mit dem Zug entdecken

Ihr könnt es wie alle Ägyptenurlauber machen und das Land per Ausflugsbus oder Nilkreuzfahrt entdecken. Doch mit dem Zug habt ihr die Nase vorn. Denn das Land der Pharaonen verfügt über ein zuverlässiges Schienennetz, das es euch ermöglicht, komfortabel von Kleopatras Stadt Alexandria an der Mittelmeerküste den Nil entlang bis in den Süden nach Luxor und Assuan zu reisen und dabei jede Menge ägyptischen Alltag zu erleben.

Reisen mit bester Aussicht: Ägyptens Schienennetz

Der Zug ist das flexibelste und bequemste Transportmittel zwischen Kairo und der Mittelmeermetropole Alexandria sowie in den Süden zu den geschichtsträchtigen Orten Luxor und Assuan. Darüber hinaus sind auch die Seitenlinien interessant. So könnt ihr von Kairo aus über Ismailia am Suezkanal entlang bis zur Hafenstadt Port Said fahren.

Alexandria ist hingegen der Ausgangspunkt, um die bisher nur von Einheimischen frequentierten Ferienorte an der ägyptischen Mittelmeerküste zu entdecken, die auch Sahel genannt wird. Die Aussicht von den mal mehr, mal weniger schnellen Zügen ist teilweise phänomenal. Vor allem, wenn es von Kairo aus durch das fruchtbare Delta gen Küste geht oder entlang der palmengesäumten Felder am Nil Richtung Süden.

Zugfahren in Ägypten

Keine Angst vor dem Ticketkauf!

In Ägypten kommt ihr relativ leicht und auch ohne Kenntnisse der Landessprache an Fahrkarten heran. In jedem großen Bahnhof befinden sich mehrere Schalter, an denen ihr Tickets für alle Züge erwerben könnt. Irgendwo sitzt immer ein Angestellter, der sich mit euch auf Englisch verständigen kann.

Unser Tipp: Ansonsten ist es sehr hilfreich, wenn ihr euch für die Reiseplanung die App “Rail Egypt” in der englischsprachigen Version herunterladet. Die herausgesuchte Wunschverbindung zeigt ihr dann einfach dem Herrn am Fahrkartenschalter. Die Fahrkarte beinhaltet automatisch auch eine Platzreservierung.

In der Regel reicht es aus, wenn ihr die Tickets einen Tag vor der Reise kauft. Ist der Zug bereits voll, wird der Schalterbeamte euch auf die nächste Verbindung verweisen. Eine Fahrkarte wird euch dann nicht mehr verkauft, doch ihr könnt auch einfach so in den Zug springen und das Ticket gegen einen geringen Aufpreis beim Schaffner lösen.

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Eine Garantie auf einen Sitzplatz gibt es nicht, doch das hilfsbereite Zugpersonal wird versuchen, eine Lösung zu finden. Während diese Strategie auf der relativ kurzen Strecke zwischen Kairo und Alexandria durchaus aufgehen kann, wollt ihr sicher nicht riskieren, die Fahrt nach Luxor oder Assuan stehend zu verbringen.

Wichtige Tipps für Zufahrten in Ägypten

Die Expresszüge verfügen über eine erste und eine zweite Klasse. In der ersten Klasse reist ihr in großzügig bemessenen Sesseln mit Fußstütze durchaus komfortabel. Sollte das Platzkontingent hier erschöpft sein, ist eine kurze Strecke jedoch auch in der zweiten Klasse kein Problem.

Neben den Expresszügen werden die Strecken von den deutlich langsameren und weniger komfortablen Schnellzügen bedient. Diese sind zwar deutlich preisgünstiger, dafür aber überfüllt mit Mensch und Material. Für eine längere Strecke empfiehlt es sich, dass ihr Fleecejacke und Socken einpackt. Wenn ihr über Nacht nach Luxor oder Assuan reist, braucht ihr zusätzlich eine Reisedecke, denn es wird empfindlich kühl und die Temperaturen lassen sich, aus welchen Gründen auch immer, nicht regulieren.

Alternativ verkehrt einmal pro Tag ein Touristenzug mit Schlafwagenabteilen und Clubwagen in den Süden, was jedoch wenig mit einer landestypischen Zugfahrt in Ägypten gemeinsam hat.

Die Erfindung des Speisewagens ist bislang an Ägypten spurlos vorbeigegangen. Zwar bietet ein Verkaufskarren im Zug Tee, Kaffee und Süßigkeiten an, doch für lange Fahrten müsst ihr euch mit eigenem Proviant versorgen. An den einzelnen Stationen steigen in regelmäßigen Abständen fliegende Händler zu. Deren Angebot ist allerdings nicht planbar. Mal gibt es Handykabel, dann wieder religiöse Erbauungsliteratur, eine Packung Taschentücher oder Riegel aus gerösteten Erdnüssen.

In den Zügen darf nicht geraucht werden, doch treffen sich die Reisenden dann einfach im Verbindungsteil zwischen den einzelnen Waggons. Wird die Luft zu dick, macht jemand kurzerhand die Zugtür auf, um durchzulüften. Bei Streckenabschnitten, auf denen der Zug gemütlich vor sich herzockelt, kann es passieren, dass der ein oder andere Passagier so eine Gelegenheit zum Zusteigen nutzt. Wenn ihr mit Kindern reist, solltet ihr sie daher nicht unbeaufsichtigt im Zug herumlaufen lassen.

Ansonsten erweisen sich Ägypter als angenehme Reisebegleiter, die nicht nur gerne Proviant mit euch teilen möchten, sondern hilfsbereit sind und auf alle Fragen bereitwillig Auskunft geben.

Per Zug nach Alexandria und Marsa Matruh: Kleopatras Spuren

Von Kairo aus bietet es sich an, Kleopatras Stadt Alexandria im Rahmen eines Tagesausflugs oder ein Wochenende lang zu entdecken. Die Metropole am Mittelmeer hat einiges vom Charme vergangener Tage eingebüßt, doch warten hier immer noch zahlreiche Kunstschätze darauf, von euch entdeckt zu werden. Wenn ihr im Zentrum Quartier bezieht, steigt am Bahnhof Sidi Gaber aus und lasst euch, sofern es der Verkehr zulässt, in wenigen Minuten zum Hotel an der Corniche fahren.

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Auf dieser Seepromenade, die heute eine pulsierende Hauptverkehrsstraße ist, fahren regelmäßig Linien- und Minibusse zur Zitadelle Quaitbey und zur Bibliothek von Alexandria mit Museum und Kulturzentrum. In der Altstadt von Mancheya könnt ihr durch einen Basar bummeln, der nur wenig Touristisches hat und ägyptischen Alltag pur versprüht.

Unser Tipp: Bei Mohamed Ahmed in der Nähe der Raml Station soll es angeblich die weltbesten Falafel geben. Diese vegetarischen Frikadellen werden aus Bohnen hergestellt und sind ein typisch ägyptisches Frühstück. Auch die anderen Frühstücksgerichte in dem traditionellen Lokal lohnen sich.

Das römische Amphitheater, das königliche Juwelenmuseum und die Katakomben von Kom el Shoqafa warten ebenso darauf, von euch entdeckt zu werden wie der Montazah-Königspalast im gleichnamigen Stadtteil am anderen Ende der Corniche.

Der Montazah Königspalast in Alexandria

Badespaß in Marsa Matruh

Von Alexandria aus gibt es eine Schnellzugverbindung in den 280 Kilometer westlich gelegenen Badeort Marsa Matruh. Die Stadt hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Von den Pharaonen über Kleopatra bis hin zum deutschen Afrikakorps haben viele hier ihre Spuren hinterlassen. Manche wie der Tempel von Ramses II. oder eine Kapelle aus der frühkoptischen Zeit können noch besichtigt werden.

Im Sommer ist Marsa Matruh ein Hotspot einheimischer Urlauber. Doch ab Ende September leeren sich die Strände, sodass ihr die meisten Liegen ganz für euch alleine habt. Von Marsa Matruh zweigt zudem die einzige Straßenverbindung zur Oase Siwa ab, deren Besuch ihr euch nicht entgehen lassen solltet. Bustouren dorthin könnt ihr in Marsa Matruh buchen.

Oase Siwa in Marsa Matruh

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Per Zug nach Port Said und Ismailia: Auszeit vom quirligen ägyptischen Alltag

Von Alexandria und Kairo aus gibt es ebenfalls Zugverbindungen nach Port Said. Wenn ihr es eher ruhig angehen wollt, seid ihr hier richtig. Eine der Hauptattraktionen ist die Einfahrt zum Suezkanal. Das alte Hafenviertel ist noch geprägt von den Kolonialbauten der Franzosen, Italiener und griechischer Architektur. Ein Spaziergang am Strand ist am frühen Morgen am schönsten, denn während der Ferienzeit tobt hier tagsüber das Leben.

Obwohl die Wasserqualität nicht die beste ist, zieht die Hafenstadt Massen einheimischer Besucher an. Vom Mietliegestuhl aus lässt sich das Treiben beobachten, eine besondere Attraktion sind die fliegenden Händler, deren Angebot jedes Bedürfnis von scharf gewürzten Lupinenkernen bis hin zu Damenunterwäsche abdeckt.

Port Said ist Freihandelszone und das merkt man. Denn die ganze Stadt ist ein einziger großer Basar. Hier werden Shoppingträume auf Ägyptisch wahr.

Zwischenstopp in Ismailia

Auf dem Rückweg nach Kairo lohnt ein Stop in Ismailia. Die Stadt liegt am Timsah-See und am Suezkanal auf der Hälfte der Strecke und überzeugt mit kolonialem Charme und viel Grün. Ismailia wurde erst 1862 als Wohnort für die am Bau des Suezkanals beschäftigten Arbeiter begründet. Ruhig und beschaulich geht es hier zu, ein Aufenthalt ist ein kleiner Urlaub vom quirligen ägyptischen Alltagstrubel. Die zwölf Kilometer nördlich der Stadt gelegene El-Ferdan-Brücke ist die längste Drehbrücke der Welt und verbindet die Sinaibahnlinie mit dem ägyptischen Eisenbahnnetz.

Per Zug nach Luxor und Assuan: Das Erbe der Pharaonen

Zuerst Luxor und dann Assuan oder doch lieber umgekehrt? Wie gut, dass sich Oberägypten mit dem Zug so unkompliziert entdecken lässt. Die klimatisierten Expresszüge verkehren dreimal am Tag von Kairo nach Assuan. Die Stadt bietet sich als Ausgangspunkt für Fahrten auf dem Nasser-Stausee an, wartet jedoch auch mit pharaonischem Erbe satt auf, zum Beispiel mit den Nilinseln mit Elephantine oder der Nekropole auf der Westseite des Nils.

Assuan ist jedoch auch Stützpunkt für Ausflüge nach Abu Simbel, jenem gewaltigen Monument des Pharao Ramses II. Das fast an der Grenze zum Sudan gelegene Heiligtum, zu dem auch der Hathor-Tempel der königlichen Gemahlin Nefertari zählt, gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Abu Simbel, Assuan, Ägypten

Must-See in Ägypten: Luxor

Auf der Rückfahrt nach Kairo könnt ihr Stops in Kom Ombo einlegen, um den Doppeltempel von Sobek und Haroeris zu besichtigen, sowie in Edfu, wo mit dem Horus-Tempel einer der am besten erhaltenen pharaonischen Sakralbauten in ganz Ägypten steht.

Wenn ihr auf der Hinfahrt nicht in Luxor ausgestiegen seid, müsst ihr jetzt dringend aus dem Zug. Der bewegt sich in Oberägypten ohnehin zeitlich recht flexibel: Die Fahrt nach Kairo kann 14 oder 18 Stunden dauern.

Das ehemalige Theben könnt ihr hervorragend mit dem Fahrrad erkunden, am besten in den Wintermonaten. Hier warten der Tempel des Amun und der Komplex von Karnak, das Tal der Könige mit dem Grab des Tutanchamun, der Hatschepsuttempel und das Tal der Königinnen auf euch.

Ausflug nach Luxor: Ägyptens Kultur im Tal der Könige

Wenn ihr genug von Kulturschätzen habt, könnt ihr nach Banana Island radeln und den Abend mit guter ägyptischer und internationaler Küche beschaulich am Nilufer ausklingen lassen oder alternativ bei einer Felukenfahrt auf dem Nil vor euch hin träumen.

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